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Eine eindringliche Predigt in Tönen

Eckelshausener Musiktage Eine eindringliche Predigt in Tönen

Der künstlerische Leiter der Eckelshausener Musiktage, der Cellist Julius Berger, spielte am Freitag ein erlesenes, aber auch anspruchsvolles Programm, das auf den sakralen Raum abgestimmt war.

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Vor dem Altar hatte Julius Berger mit dem Violoncello Platz genommen. Er musizierte in der Stiftskirche Wetter gemeinsam mit den 13 handverlesenen Streichern der Mainzer Virtuosi unter der Leitung von Achim Fiedler.

Quelle: Michael Hoffsteter

Wetter. Das Konzert glich einem musikalischen Gottesdienst: Es gab keine Pause, Stiftskirchenkantor Klaus-Jürgen Höfer bat darum, erst am Schluss zu applaudieren, und drei der fünf Werke thematisierten die Endlichkeit des irdischen Lebens, aber auch die Glaubenszuversicht, dass es danach weitergeht.

Als Verkünder dieser Botschaft hatte vor dem Altar Julius Berger Platz genommen und musizierte auf dem Violoncello gemeinsam mit den 13 handverlesenen Streichern der Mainzer Virtuosi unter der Leitung von Achim Fiedler eine eindringliche Predigt in Tönen. Sie hob an mit einem inbrünstigen Klagegesang, dem „Prayer“ (Gebet) aus „From Jewish Life“ (Aus dem jüdischen Leben), das der gebürtige Schweizer Ernest Bloch 1924 im amerikanischen Exil komponiert hat.

Die Musiktradition Israels und des Nahen Ostens klang an in den 2009 komponierten „Three Autumn Madrigals“ (Drei herbstliche Madrigale) des Jerusalemer Komponisten Yinam Leef: Sphärenklänge wechseln ab mit ekstatischem Aufbäumen. Weltlich ging es weiter mit Felix Mendelssohn Bartholdys „Lied ohne Worte“ op. 109. Berger musizierte mit schwelgerisch-schlankem, im Duett mit der Konzertmeisterin Anne Shih auch honigsüßem Ton. Kein Wunder, dass danach einige der 120 Zuhörer das Applausverbot ignorierten. Die Musiker nahmen es mit verständnisvoll dankendem Lächeln zur Kenntnis, bevor sie Bertold Hummels „Poem“ von 1984 spielten.

Ihm liegt Hermann Hesses „Stufen“-Gedicht (1941) zugrunde („Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“). Widmungsträger Berger und die Mainzer Virtuosi musizierten das spieltechnisch anspruchsvolle und nicht leicht zu hörende Werk als intensiven Dialog, an dessen Ende mit dem B-A-C-H-Thema Johann Sebastian Bach gehuldigt wird.

Jetzt ignorierte das gesamte Publikum den Wunsch nach Applausabstinenz, sodass das katalanische Weihnachtslied „Gesang der Vögel“ wie die erste Zugabe wirkte, obwohl das sehnsuchtsvolle Lied Bestandteil des offiziellen Programms war. Danach ließ Berger sich nicht lange bitten und spielte solo einen originalen Bach und eine seiner liebsten Zugaben, eine „Cymbrische Weise“.

von Michael Arndt

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