Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Eine Zeitreise in die Vergangenheit

Eckelshausener Musiktage Eine Zeitreise in die Vergangenheit

Im vergangenen Jahr musste Julius Berger seine Mitwirkung bei den Eckelshausener Musiktagen wegen Krankheit absagen. Diesmal ist er bei dem von ihm künstlerisch verantworteten Festival so präsent wie nie zuvor.

Voriger Artikel
„Bei der Arbeit muss ich die Luft anhalten“
Nächster Artikel
Mit den „Kids“ kommt die Stimmung

Beim Eröffnungskonzert der 28. Eckelshausener Musiktage im Atrium der Roth-Werke Buchenau spielte das „Concertino Ensemble“.

Quelle: Florian Gaertner

Buchenau. „Edelsteine“ lautet das Motto der 28. Eckelshausener Musiktage. Das bezieht sich in erster Linie auf die Werke, die an jedem Abend bis Pfingstmontag zwischen Bad Laasphe und Marburg aufgeführt werden. Aber ein „Edelstein“ ist auch das Festival selbst, und zwar ein Unikat: Die Programme der einzelnen Konzerte erklingen nur dort, sind mit Bedacht ausgewählt. Das unterscheidet das „Internationale Kammermusikfestival an der oberen Lahn“ von den meisten anderen Musikfestspielen, bei denen die Stars der Klassik-Szene ihre einmal einstudierten Programme mal hier, mal dort zu Gehör bringen.

Am Samstagabend wurden die Eckelshausener Musiktage eröffnet.

Zur Bildergalerie

Seit mehr als zwei Jahrzehnten tragen die Eckelshausener Musiktage die künstlerische Handschrift von Julius Berger, der dafür am Samstag ausgezeichnet wurde (siehe „Preisverleihung“). Diesmal hat der Meistercellist besonders viele Werke ausgewählt, die noch nie öffentlich gespielt wurden oder im Mainstream-Konzertbetrieb ein Schattendasein fristen. Für Berger sind es „Edelsteine, die gefunden, geborgen und geschliffen werden müssen“. Und er prophezeite, dass die drei Kompositionen, die beim Eröffungskonzert im Atrium Roth erst- und uraufgeführt wurden, von dort „um die Welt gehen werden“.

Bei der aus mehr als 200-jährigem Archivschlaf geholten Sinfonia concertante in C-Dur für zwei Violoncelli und Orchester Ignaz Franz von Beeckes mag man seinen Optimismus nicht teilen. Es ist gewiss ein hörenswertes Werk. Aber die Konkurrenz durch von Beeckes Zeitgenossen Haydn und Mozart ist doch erdrückend groß. In den beiden Ecksätzen stehen die Bläser, je zwei Hörner und Oboen sowie Flöte und Fagott, im Vordergrund. Die aus dem Rhein-Main-Gebiet zu den Streichern des Augsburger „Concertino Ensembles“ hinzuverpflichteten Musiker begeisterten mit virtuoser Spielfreude. Die beiden Solo-Celli, von Berger und seiner Frau Hyun-Jung Berger mit schlankem und singendem Ton gespielt, treten fast in die zweite Reihe zurück, haben ihren großen Auftritt vor allem im fast schon frühromantisch-opernhaften Mittelsatz und mit einer sehnsuchtsvollen Episode im Jagd-Finale.

Die „Parafonia“ zu Mozarts C-Dur-Adagio-Fragment KV 580a hingegen, die der 28-jährige Johannes X. Schachtner für Berger komponiert hat, sollte nach ihrer Uraufführung in Buchenau unbedingt um die Welt gehen. Der Beginn mit seinem flirrenden Streicherteppich wirkt wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Urplötzlich wird das Ziel erreicht, begleitet von den Pizzicati des „Concertino Ensembles“, intonierte Berger ganz schlicht das wunderbare, aus dem „Ave verum“ bekannte Mozart-Thema. Nach einem tumultuösen Zwischenteil verklingt das Werk mit einem vom Cello in höchster Lage gespielten Gruß an Franz Liszts Ave-verum-Hommage „A la Chapelle Sixtine“.

Ein faszinierendes Stück - wie auch die Bearbeitung von Franz Schuberts Arpeggione-Sonate für Violoncello und Streichorchester, die vom Dirigenten des Abends Achim Fiedler stammt und am Samstag zum ersten Mal erklang. Unter seiner Leitung trug das junge „Concertino Ensemble“ den Solisten auf Händen. Und Berger spürte aufgrund der transparent-zurückhaltenden Begleitung mit seinem beseeltem Spiel Facetten in Schuberts Meisterwerk auf, die im Zusammenspiel mit einem Pianisten sonst oft in den Hintergrund treten.

So applaudierten die knapp 300 Zuhörer im Stehen, wofür sich Berger mit Solo-Zugaben von Bach und Prokofjew/Piatigorsky bedankte.

Preisverleihung
Annemarie Gottfried, die 90-jährige Gründerin der Eckelhausener Musiktage, hat einen Preis gestiftet und gestaltet, der künftig jedes Jahr verliehen werden soll. „Klang“ heißt die etwa 30 Zentimeter große Skulptur. Sie drückt aus, was Musik vermag, „uns in Bewegung zu versetzen“, sagte Laudator Dr. Gert Dahlmanns, bevor er sie an Julius Berger als erstem Preisträger überreichte, weil dieser dem Festival über mehr als zwei Jahrzehnte die Treue gehalten hat. Auf diese Treue kann das Publikum weiter vertrauen, wie Berger in seiner Dankesrede versprach: „Wir gehen zusammen weiter.“

von Michael Arndt

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr