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Eine Wahrheit und zwei Sichtweisen

OP-Buchtipp: Reynolds, Kiely: „Nichts ist okay!“ Eine Wahrheit und zwei Sichtweisen

Ein schwarzer Junge. 
Ein weißer Polizist. Dieser schlägt auf den Jungen ein. Der Junge bewegt sich danach noch. Dann plötzlich nicht mehr. Was daraus folgt ist eine Geschichte, in der keiner mehr dem anderen traut.

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Jason Reynolds und Brendan Kiely nehmen sich in ihrem gemeinsamen Roman der Polizeigewalt gegen Schwarze an. Zuletzt gab es in Amerika einige Fälle, die öffentliche Proteste und Unruhen nach sich zogen.

Quelle: Michael Nagle

Der Roman „Nichts ist okay!“ von Jason Reynolds und Brendan Kiely erzählt die Geschichte von zwei Jugendlichen, die an der East Side New Yorks aufwachsen, wo viele Menschen unterschiedlicher Herkunft und Abstammung leben. Die Jungen kennen sich nur über Dritte. Rashad ist ein schwarzer und Quinn ein weißer Junge.

Alles in ihrem Leben verläuft normal, sie sind gut in der Schule und haben gerade das letzte Schuljahr vor sich. Doch als Rashad eines Tages von einem Polizisten wegen eines angeblichen Diebstahls verhaftet und schwer verletzt wird, ändert dass das Leben der beiden Teenager.

Während Rashad im Krankenhaus liegt und in den Nachrichten heftig darüber diskutiert wird, ob der Polizist das Richtige getan hat oder ob es eine Tat war, die von Rassismus geprägt war, muss Quinn sich entscheiden. Denn sein bester Freund ist der jüngere Bruder des Polizisten und er hat zufällig selbst gesehen, was passiert ist. Quinns große Liebe, Jill, schlägt sich auf die Seite von Rashad. Quinn zögert, doch nach und nach wird ihm immer klarer, dass er sein Schweigen brechen muss.

Das Buch erzählt von Jugendlichen in einem moralischen Dilemma. Die Familie erwartet die Verteidigung von „einem der Ihren“, der Trainer der Basketballmannschaft fordert, das Thema beim Sport außen vor zu lassen und Schüler unterschiedlicher Hautfarbe misstrauen einander, spalten sich in zwei Lager. So werden aus Freunden Feinde.

In Deutschland erscheint Polizeigewalt in Amerika nur punktuell in den Medien. Die Autoren Reynolds ( Foto: Dana Roc) und Kiely erleben Polizeigewalt gegen Schwarze hautnah. Sie gehen mit dem Thema keinesfalls reißerisch um. Bei ihnen bekommt das Thema Namen, Menschen, Gesichter, Charaktere. Es geht dabei auch um die Einbindung in Familie und Freundeskreise, aber auch um Gefühle, den Kampf zwischen Wahrheit und falsch verstandener Freundschaftsdienste beziehungsweise falscher verhängnisvoller Deutungen.

Die beiden Autoren verstehen sehr gut, dem Leser den Druck zu vermitteln, mit denen sich die beiden Teenager auseinandersetzen müssen. Dabei transportieren sie auch eine klare Botschaft: Vorurteile führen in eine Sackgasse: Die einzelnen Fälle von Polizeigewalt lassen sich nicht einfach mal so darstellen, denn hinter jedem Fall steht auch eine eigene Geschichte.

Reynolds und Kiely ( Foto: Gary Joseph Cohen) wollen darauf aufmerksam machen, dass nicht jeder Schwarze, der sich anders kleidet, gleich ein Verbrecher ist, sondern dass Weiße genau so gut im Unrecht sein können.

Das Buch greift ein sehr aktuelles Thema auf, denn fast jeden Monat kommt es zu zweifelhaften Verhaftungsmethoden von Schwarzen und Afro-Amerikanern, obwohl diese nachweislich weder bewaffnet waren noch sich körperlich gewehrt haben. Dennoch prügeln immer wieder fast ausschließlich weiße Polizisten ohne Grund auf sie ein, verletzen sie lebensgefährlich, in Extremfällen töten sie sie sogar. Wie gehen nun Rashad und Quinn mit ihrer jeweiligen Situation um? Das lässt sich auf spannenden 320 Seiten herausfinden. Ein lesenswertes Buch für Teenager ab 14 Jahren.

  • Jason Reynolds, Brendan Kiely: „Nichts ist okay!“, dtv Reihe Hanser, Taschenbuch 320 ­Seiten, 14,95 Euro.

von Colin Schöne

 
 
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