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„Eine Veranstaltung der Herzen“

Waldorfschüler führten Stück für Flüchtlinge auf „Eine Veranstaltung der Herzen“

Der Theaternachmittag, den die 13. Klasse der Waldorfschule am Freitag für die Flüchtlinge organisierte, entwickelte sich 
zu einem kleinen Fest.

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Fast 400 Besucher, darunter viele Flüchtlinge, kamen am Freitag zu einer Sonderveranstaltung der Marburger Waldorfschule.

Quelle: Tim Trepte

Marburg. Nicht nur reden, sondern aktiv helfen – unter diesem Motto haben sich die Schüler der Freien Waldorfschule Marburg eine besondere Geste für Flüchtlinge einfallen lassen.

Jedes Jahr wird von der 12. Jahrgangsstufe ein Theaterstück geprobt und aufgeführt: Dieses Jahr war es „Die Befristeten“ von Elias Canetti ( die OP berichtete). Zusätzlich zu den regulären Vorstellungen gab es am Freitag eine Sondervorstellung, zu der die Schüler Flüchtlinge aus dem Marburger Flüchtlingscamp eingeladen hatten.

„Ich freue mich darauf. Es ist interessant, die Flüchtlinge kennenzulernen und für sie sicher gut, dass sie eine Abwechslung vom tristen Alltag bekommen“, meinte Paula Borzner (17), die in dem Stück mitspielte. „Ich finde es schön, dass wir damit zur Integration beitragen können“, sagte auch Lotte Eckstein aus der 12. Jahrgangsstufe. Das Stück selber war auf Deutsch, es gab allerdings eine arabische Einführung.

Abiturienten betreuen Flüchtlingskinder

Die Idee für diese Sonderaufführung für Flüchtlinge stammte von der 13. Jahrgangsstufe. „Das Thema kam im Religionsunterricht auf. Wir haben uns gefragt: Warum reden wir eigentlich nur darüber, aber machen nichts? So kam das dann ins Rollen“, erklärte Sophia Wolf (19) aus der Klasse 13. „Alle in der Klasse hatten Lust, das zu machen. Wir finden es toll, dass so viele kommen“, ergänzte ihre Klassenkameradin Jülide Oelhof (18). Über Facebook hätten sie eine Flüchtlingsorganisation kontaktiert.

„Wir gehen davon aus, dass ungefähr 400 Menschen da waren“, sagte Martin Jennemann, einer der Schulleiter, nach der Veranstaltung. Während der Aufführung betreute die 13. Klasse die Flüchtlingskinder im Kindergarten. Dadurch hatten nicht nur die Erwachsenen eine gelungene Abwechslung vom Camp-Alltag.

Nach der Vorstellung gab es ein großes Büfett, zubereitet von freiwilligen Helfern, den Schülern und Peter Wiersbin, dem Koch der Blindenstudienanstalt. Während sich die Aula mit Besuchern füllte wurde auch das Büfett immer mehr aufgefüllt, denn viele Besucher brachten etwas mit. Von belegten Broten über geschnittenes Obst bis hin zu Tee war alles vorhanden.

Nach dem Essen wird getanzt

Im Foyer und in den unteren Unterrichtsräumen waren etliche Tische aufgestellt, um allen Besuchern nach der Vorstellung genügend Platz zu bieten. Beim Essen sollten die verschiedenen Gruppen zusammenfinden, erklärte Jennemann. Die Schüler der 13. Jahrgangsstufe würden sich zwischen den Flüchtlingen verteilen. „Es ist schließlich eine Geste, um die Menschen hier willkommen zu heißen.“

Der Schulleiter berichtete von einer tollen Stimmung beim Essen, die Veranstaltung habe sich zu einem kleinen Fest entwickelt: „Einige der jungen Männer fingen plötzlich an zu tanzen – zu Musik, die sie auf ihren Handys hatten. Sie haben dann auch gemeinsam mit den Schülerinnen getanzt.“

Nach dem Essen sei die Gesellschaft zurück in die Aula gezogen, auf der Bühne sei getanzt worden, während die Älteren das Treiben entspannt beobachtet hätten. Als kurz vor 19 Uhr die Busse gekommen seien, um die Flüchtlinge abzuholen, habe niemand wirklich abbrechen wollen, erzählt Jennemann.

„Ich glaube, dass die Menschen sich hier sehr wohlgefühlt haben. Es sollte eine Veranstaltung der Herzen werden. Das ist gelungen.“ Die Flüchtlinge selber durften sich aufgrund einer Regelung der Stabstelle zu der Einladung nicht äußern.

von Rike Werner

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