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Eine Uraufführung zum Jubiläum

Orgelkonzert Eine Uraufführung zum Jubiläum

Seit zehn Jahren erklingt die Klais-Orgel in der Elisabethkirche. Im Mittelpunkt des Feierprogramms stand daher ein Orgelkonzert zusammen mit der Kantorei, bei dem eine Psalmvertonung von Johann Lieberknecht uraufgeführt wurde.

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Die Klais-Orgel erklingt seit zehn Jahren in der Elisabethkirche. Das wurde mit einem besonderen Orgelkonzert, mitgestaltet von der Kantorei, gefeiert.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die modern aussehende Klais-Orgel, die optisch einen Kontrast zur gotischen Elisabethkirche bildet, wurde im November 2006 eingeweiht. Zweieinhalb Jahre dauerte der Bau der 1,3 Millionen teuren Orgel mit drei Manualen und 57 Registern. Gute fünf Jahre später musste sie nach Staubschäden durch Bauarbeiten komplett auseinandergenommen und gereinigt werden. Nach Angaben der Orgelbauer eignet sich die Klais-Orgel besonders für Werke aus der Romantik und der Moderne. Von der Bonner Orgelbau-Firma Klais stammt übrigens auch die Orgel in der Elbphilharmonie in Hamburg.

Irénée Peyrot, den Bezirkskantor Nils Kuppe seit dem gemeinsamen Studium kennt, übernahm das Spiel an der Orgel und erwies sich wieder einmal als hervorragender Organist. Mit Werken von Max Reger, Marcel Dupré und César Franck zeigte er die große Vielseitigkeit der Klais-Orgel. Gerade bei der „Prelude et fugeu en sol nimeur“ op. 7 Nr. 3 von Dupré faszinierte Peyrot mit seinem unglaublich schnellen Spiel, das an Rimski-Korsakows „Hummelflug“ erinnerte. Beim versöhnlicheren Choral in E-Dur von Franck erklangen ganz verschiedene Register, auch solche, die eher selten gespielt werden. Peyrot zog dabei stellenweise auch manuell die Register.

„Ich wollte auch, dass man es sich anhören kann“

Der Kantor und Organist an der Marktkirche in Halle/Saale kennt die Klais-Orgel schon aus vorherigen Konzerten in der Elisabethkirche. Und so half er auch zusammen mit Nils Kuppe bei der Registerwahl zur Vertonung des Psalms 139 von Kuppes Assistent Johann Lieberknecht, die zur Mitte des Konzertes uraufgeführt wurde. Dabei zeigte Johann Lieberknecht ein gutes Gespür für die Kantorei der Elisabethkirche, aber auch für den Raum der Kirche und die Klais-Orgel. Die zwei Gegenpole des Psalms „Herr, du erforschest mich und kennst mich“ mit der düsteren Grundstimmung und dem zweiten rhythmischeren Teil griff er vor allem durch Zwischenspiele in der Orgel auf.

Dabei griff er auf eine eher klassische Kompositionsweise zurück, setzte Textstellen wie „und siehe, ob ich auf bösem Wege bin“ mit schroffen Dissonanzen in Chor und vor allem Orgel um. „Ich wollte auch, dass man es sich anhören kann“, erklärte Lieberknecht, der die Reibungen immer wieder durch Dur-Klänge auflockerte, nach dem Konzert im Gespräch mit der OP.

Im Gespräch erzählte Lieberknecht, der im Chor mitsang, dass die Idee zu einer eigenen Komposition für das Orgel-Jubiläums-Konzert eigentlich spontan entstand. Denn Bezirkskantor Nils Kuppe, der die Leitung inne hatte, wollte neben den romantischen Werken auch etwas modernes. Aus der flapsigen Bemerkung, zur Not müsse selbst was komponiert werden, wurde der Auftrag, den Psalm 139 zu komponieren. Ein Auftrag, der den Studenten der Kirchenmusik etwa zwei Monate und viele Nerven gekostet habe - der sich aber auch gelohnt hat.

Die Kantorei der Elisabethkirche war gerade bei den polyphonen Stellen, in denen die Stimmen sehr eigenständig gegeneinander gesetzt waren, sehr deutlich und gut zu hören. Doch der Bass war stellenweise zu schwach und wurde fast vom Tenor übertönt.

Auch in „Te Deum“ von Flor Peeters und der „Misse solennelle“ op. 16 von Louis Vierne sangen die Laiensänger der Kantorei der Elisabethkirche engagiert und mit gutem Gespür für die Charakterwechsel, wie im „Gloria“ der Messe. Die etwa 120 Zuhörer, die beim Jubiläumskonzert am Wochenende in Richtung Orgel saßen, bedankten sich mit langem Applaus, der anhielt, bis die letzten Sänger der Kantorei die Bühne verlassen hatten.

von Mareike Bader

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