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Eine Reise nach Absurdistan und wieder zurück

Kurzdramenwettbewerb in der Waggonhalle Eine Reise nach Absurdistan und wieder zurück

Das 9. Marburger Kurzdramenfestival startete am Donnerstagabend in der Waggonhalle mit der gelungenen Uraufführung der drei Siegerstücke. Die hatten eines gemeinsam: Sie waren allesamt ziemlich absurd.

Marburg. Hoch über den Köpfen der Zuschauer schwebt ein Raumschiff der besonderen Art: Das Spaceshuttle aus „Exosphäre“ ist nicht von dieser Welt und in äußerst geheimer Mission unterwegs. Und die ist so geheim, dass selbst der durchgeknallte Captain sie nicht kennt. Auch sonst geht an Bord alles drunter und drüber, man ist zwar auf Kollisionskurs mit irgendwem, aber eigentlich interessiert alle nur die eine Frage: Wer hat eine Affäre mit wem und warum?

„Exosphäre“ von Theresa Maar ist eine herrliche Persiflage auf Science-Fiction-Filme und -Bücher, gespickt mit witzigen Szenen und Dialogen. Gleichzeitig klingen immer wieder gesellschaftskritische Themen an, die aber sogleich ins Abstruse gewendet werden. Die Darstellerinnen und Darsteller von Theater GegenStand setzten das Kurzdrama sehr gekonnt in Szene und brachten das Publikum ein ums andere Mal zum Lachen.

Weniger zum Lachen war das Stück „Brede und Dürr“ von Heike Falkenberg, eine beklemmende Parabel auf das Scheitern von Kommunikation. Eine junge, namenlose Frau sperrt sich aus ihrer Wohnung aus und hockt im Treppenhaus. Nacheinander kommen die ebenso namenlosen Nachbarn vorbei. Keiner hilft ihr, keiner kümmert sich um sie, alle verstehen sie falsch und hacken noch auf ihr herum. Die Szenerie gerät immer mehr zu einem kafkaesken Alptraum, an dessen Ende die junge Frau halbnackt, alleine und obdachlos zurückbleibt.

Die Truppe von Theater GegenStand spielt in diesem Stück ganz hervorragend und lässt das absurde Drama, das auch von sozialer Kälte erzählt, eindrucksvoll lebendig werden.

Richtig Stimmung kommt dann beim letzten Kurzdrama auf: „D‘Arquette“ von Daniel Ableev und Christian Keller hat die absonderlichen Gewohnheiten der Generation 2.0 zum Thema. Wer wann mit wem in die Stadt zum Feiern geht, ist enorm wichtig, dazu noch, wen man dort trifft und welche Klamotten man dabei trägt. Die Sprache der Chatrooms und der sozialen Netzwerke wird hier aufs Korn genommen, die Oberflächlichkeit einer Kommunikation, die sich auf unterstem Niveau bewegt. Die Inszenierung zeichnet sehr treffend und witzig das Bild einer Generation, die nur sinnloses Blabla redet und sich für nichts wirklich interessiert, außer dafür, wie man sich richtig in Szene setzt. Vom Publikum wurde dieses Kurzdrama, das über weite Teile ohne Dialoge auskommt, mit besonders viel Applaus belohnt.

Das 9. Marburger Kurzdramenfestival dauert noch bis zum Sonntag. Neben den drei prämierten Stücken, die jeden Abend um 20 Uhr laufen, gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm. Darunter sind Konzerte, eine Ausstellung, Lesungen und Performances.

Anna Daßler vom Organisationsteam sagte: „Wir haben versucht, hier ganz verschiedene Kunstformen zusammenzuführen.“

Weitere Informationen zum Programm sind unter www.theater-gegenstand.de zu finden.

von Bettina Preussner

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