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Eine Hohepriesterin der Musik

Eine Hohepriesterin der Musik

Standing Ovations und stürmischen Applaus gab es für Mari Boine im 
Kulturladen KFZ. Die 
norwegische Sängerin machte 250 Fans glücklich.

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Sphärische Klänge aus Norwegen: Mari Boine verzauberte 250 Fans mit Schreien und Flüstern im KFZ.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. „Wir starten unsere Tournee heute in Marburg, wo wir schon viel schöne Konzerte hatten!“ rief Mari Boine ins Publikum. „30 Jahre lang habe ich in meiner Sprache gesungen“, erklärte sie weiter. „Das Album ‚See the woman‘ ist das erste auf Englisch. Ich hoffe, ihr hört nicht auf, mich zu lieben.“

Das hatten die Fans auf gar keinen Fall vor, wie sie immer wieder mit stürmischem Beifall deutlich machten. Los ging das Konzert mit einem Song auf Englisch, im neuen Stil also. In den lyrischen Texten standen das Frausein und die Gleichberechtigung im Zentrum: Liebe, Beziehungen, Identität, Älterwerden waren die Themen.

Die Musik dazu war makellos gemachte Popmusik, die dank der eindringlichen und bezwingenden Stimme der norwegischen Sängerin gut ins Ohr ging. Unterstützt wurde die Künstlerin von ihrer vierköpfigen Band. Das waren vier Vollprofis, die stets perfekt zusammen spielten und einen angenehmen und eingängigen Sound zauberten.

Noch besser als die Popsongs kamen aber die Lieder an, die seit vielen Jahren typisch sind für Mari Boine, einer Nachfahrin norwegischer Samen: sphärisch klingende, melancholische Stücke, die auf der samischen Volksmusik aufbauen. Hierfür schnappte sich die Künstlerin eine Handtrommel, die sie kraftvoll schlug, und sang dazu in ihrer einzigartigen Weise. Es waren oft hohe, fast indianisch klingende Schreie, die sie ausstieß, dazu Summen, Brummen, Flüstern, faszinierende und geheimnisvolle Klänge. 
Dazu breitete die Sängerin die Arme aus und bewegte sich im Takt wie eine Schamanin – eine Hohepriesterin der Musik.

Einige längere Zugaben

Die Performance verfehlte ihre Wirkung nicht, und bald begannen die Zuschauer am Rand des Saales zu tanzen. Da der Raum bestuhlt war, standen die Leute einfach von ihren Plätzen auf und bewegten sich im Takt. So war die Stimmung bald auf dem Höhepunkt, und alle summten und klatschten mit. „Ich singe in einer mir unbekannten Sprache“, rief die Künstlerin. „Sie kommt direkt aus meiner Seele.“ Die Zuschauer ließen sich gerne in diese ferne Welt entführen, einige tanzten wie in Trance.

Die Texte der neueren Lieder stammten zum Großteil von Künstlern aus Australien, Neuseeland, Deutschland, Südafrika und den USA. Den Dichtern der nordamerikanischen Ureinwohner, wie John Trudell und Joy Harjo, fühle sie sich besonders verbunden, betonte Mari Boine, denn sie führten den gleichen Kampf wie die Samen in Norwegen.

Nach etwas mehr als einer Stunde kündigte die sympathische Künstlerin schon das letzte Lied an. „Ich freue mich, das ihr mich noch liebt“, erklärte sie unter dem Applaus ihrer Fans. Dann folgten natürlich noch einige längere Zugaben, die begeistert gefeiert 
wurden, und es gab Standing Ovations für die Sängerin und ihre Band.

von Bettina Preussner

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