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Eine Engländerin erobert Ägypten

Lesung in Marburg Eine Engländerin erobert Ägypten

„Das Unwahrscheinliche stimmt, das Wahrscheinliche ist erfunden“, erklärte die Bestsellerautorin Dr. Tanja Kinkel am Freitag während ihrer Lesung im Technologie- und Tagungszentrum.

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Tanja Kinkel bei ihrer Lesung in Marburg.

Quelle: Christine Krauskopf

Marburg. Recht gut besucht war die Veranstaltung, die Gäste fast ausschließlich Frauen. Das mag an Tanja Kinkels bevorzugtem Genre und auch an den Figuren liegen, die ihre Romane bevölkern. Und an der wohl typisch weiblichen Sicht, mit der sie historische Stoffe aufarbeitet. Denn sie interessiert sich für den einzelnen Menschen und seine Biografie. Die historischen Ereignisse geben lediglich die Rahmenhandlung vor. Im Roman „Säulen der Ewigkeit“ ist das das Ehepaar Belzoni und seine Ausgrabungen in Ägypten zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Von einer geschliffenen Sprache lebt das Buch nicht, und auch nicht von einer vielschichtigen, differenzierten Darstellung der Figuren oder einem überraschenden Ausgang. Es ist die Geschichte, die hinter dem Roman steht, die die Leser zum Weiterlesen antreibt: Wie bewegt sich die Engländerin Sarah Belzoni in dem fremden Land, in dem Frauen im Wesentlichen fürs Kochen, Putzen und Kinder gebären zuständig sind? Wie kann sie sich immer wieder aufs Neue den Respekt ihres Mannes, der anderen Expeditionsteilnehmer und der Einheimischen erkämpfen? Sarah begleitet ihren Mann bei den Expeditionen, manchmal reist sie ihm auch hinterher. Durch eine Infektion erblindet sie für 41 Tage, bleibt bei Einheimischen und ohne Arzt und muss sehr schnell Arabisch lernen. Sarah Belzoni gelangt, zeitweise als Mann verkleidet, bis nach Jerusalem in den Felsendom.

Dies war für Tanja Kinkel ein Grund, Sarah Belzoni mit einem Roman ein Denkmal zu setzen. Sarah sei nicht die erste Engländerin gewesen, die nach Ägypten reiste, doch waren es bis dahin eher adelige Botschaftergattinnen, die mit großem Gefolge das Abenteuer suchten, erzählt Tanja Kinkel. Sarah war Engländerin, aber weder reich, noch einflussreich noch adelig. Sie war eine gebildete Tochter aus recht gutem Hause, die den zwei Meter großen Hünen Giovanni Battista Belzoni geheiratet hatte, als der als „Samson von Patagonien“ auf Jahrmärkten durch England tingelte.

von Christine Krauskopf

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Printausgabe der OP.

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