Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Eine Cover-Band der besonderen Art

Konzert Eine Cover-Band der besonderen Art

„The Les Chlöchards“, das sind zerfledderte Bohème-Gestalten, die eine sympathisch-groteske Bühnen-Melange inszenieren, die von Charlie Chaplin bis AC/DC reicht.

Voriger Artikel
Marburg feiert Filmstars zum Anfassen
Nächster Artikel
Zweck-WG nach der Pleite

„The Les Chlöchards“ sind Kult in Marburg – warum, das beweisen sie jedes Jahr beim traditionellen Gastspiel in der Waggonhalle aufs Neue. Foto: Ben Wangler

Marburg. Sie sind vor allem eine Cover-Band, der es gelingt, eine neue, eigene Sichtweise auf alte, bekannte Songs zu entwerfen - und nennen das selbst ganz bescheiden: „Deluxe Acoustik Street Musik for the Modern High Society - A low down but high energy Schlachtplatte of Musica Extravaganza“. Im August dieses Jahres traten sie fast zwanzig Tage auf dem legendären Fringe-Festival in Edinburgh auf, dem weltweit größten Kulturfestival.

Jetzt begeisterte die „Lieblingsband der Waggonhalle“, so der Veranstalter, zum fünften Mal in Marburg ein enthusiastisches, nahezu wildes Publikum in der fast überquellenden Halle mit 200 Gästen.

Auf der Bühne zelebrieren „The Les Chlöchards“ rein optisch die Armut von Straßenmusikern, wie sie vielleicht in den 1940er Jahren durch das zerstörte Südeuropa zogen: Abgerissene Anzüge, löchrige Lederschuhe, Ruß im Gesicht.

Mit Schalk in den Augen und einem französisch akzentuierten Englisch erklären sie die Konzepte von Cover-Songs und Balladen und erzählen, das sie sich 1942 gegründet und dann in den Jahrzenten danach die großen Songs der Rock- und Popgeschichte erfunden hätten, die andere Musiker wie Peter Gabriel von ihnen gecovert hätten. Es ist eine amüsant-ironische Show, die von einem Band-Mythos mit wahrem Kern getragen wird: Vor acht Jahren haben sich die fünf Korsen, so die Geschichte, von einer Insel neben Korsika mit einem kleinen Boot an die Küste Frankreichs aufgemacht, um Straßenmusik zu spielen. „The Les Chlöchards“ erfanden sich in der Tat 2005 in Südfrankreich im Campingwagen auf der Straße. Aus Korsika stammen Michael Erbach (Gesang), Axel Müller (Saxophon, Melodica, Flöte), Erik Jünge (Resonatorgitarre), Dirk Kunz (Kontrabass) und Phillip Zdebel (Drums) allerdings nicht; sie wohnen in Berlin, Hamburg, Marburg und Speyer.

„The Les Chlöchards“ sind Grimassen- und Hampel-Artisten, sie hüpfen und tanzen exaltiert auf der Bühne, der Kontrabass wird zum manischen Zirkel, wenn Dirk Kunz mit ihm tanzt. Ihre Cover-Songs sind kreative, unterhaltsame Umdeutungen: So wird aus dem Hardrock von Thin Lizzys „The Boys Are Back In Town“ eine Ska-Version mit leicht jazzigen Anteilen oder aus Motörheads „The Ace Of Space“ eine Reggae-Nummer.

Der Dirty Dancing-Song „The Time Of My Life“ wird ebenso bearbeitet, Cindy Laupers „Girls Just Want to Have Fun” spielen die Folkclowns als minimalistischen Rocksong und in der Umsetzung von Madonnas „Like A Virgin” tauchen Mandolinen-Melodien auf, die an den Soundtrack von Coppolas „Der Pate“ erinnern. Für die Waggonhalle ist der Auftritt von „The Les Chlöchards“ zum Oktober-Ritual geworden, denn der Künstlerische Leiter Matze Schmidt lädt sich die Bohemiens seit einigen Jahren immer anlässlich seines Geburtstages ein. So wird man auch im nächsten Jahr wieder hören: „The Boys Are Back In Town“.

Von Ben Wangler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr