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Eindringliche Soli, kraftvoller Chor

Marburger Bachchor Eindringliche Soli, kraftvoller Chor

Es muss nicht immer Bachs „Matthäuspassion“ sein. Mit der im Vergleich bedächtigen Markuspassion begeisterte der Bachchor am Samstag mit schlichten Soli und kraftvollem Chor.

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Der Marburger Bachchor machte in der Lutherischen Pfarrkirche mit der Markuspassion den Auftakt zu den großen Passionskonzerten.Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Nacheinander setzten die Stimmen des Bachchores beim Chorus „Weissage uns“ ein, sich imitierend bis das Stimmgeflecht in sich eng verwoben war. Die Sänger und Sängerinnen waren breit aufgestellt, so dass die Stimmen wunderbar ausgeglichener wirkten. Der Klang in der Lutherischen Pfarrkirche am Samstag war fantastisch. Wehmütig und schmerzvoll klagend begann gleich die erste „Sonata e Coro“ und unterstrich das Zusammenspiel unter der Leitung von Dirigent Nicolo Sokoli zwischen Chor und dem Barockorchester „L’arpa festante“ aus München.

„L’arpa festante“ gilt als eines der traditionsreichsten deutschen Ensembles für Alte Musik. Diesem Ruf und Anspruch wurden sie auch am Samstag gerecht, auch wenn sie meistens die zurückhaltende Begleitung übernahmen. Ihre Ruhe und Ausgeglichenheit behielten die Musiker auch in den drei Sinfonien bei, in denen sie in kleinen schnelleren Passagen befreiter spielen konnten.

Als Evangelist, der den Erzähler in der Markuspassion verkörpert, sang der Tenor Thilo Busch. Neben dem Orgelpositiv stehend führte er in den Rezitativen durch die Leidensgeschichte Jesu nach dem Markusevangelium. Den Part Jesus übernahm der Bass-Sänger Thomas Gropper, der 2007 als „Orfeo“ in Monteverdis Oper bei den Bad Hersfelder Festspielen zu sehen war. Mit starker und dennoch dem Kontext angepasster Stimme begeisterte er bei der Arie „Eli, Eli“, Jesu Ausruf der Gottverlassenheit.

Als weitere Solisten sangen die Sopranistin Verena Gropper und die Altistin Birgit Schmickler. Schmicklers Stimme passte wunderbar zum Choral „Wenn ich einmal soll scheiden“, der aus der neunten und zehnten Strophe des Kirchenliedes „O Haupt voll Blut und Wunden“ bestand und von der Altistin solo gesungen wurde. Entlehnungen aus diesem Kirchenlied kennt man aus Bachs berühmter Matthäuspassion, in der es gleich fünf Mal vom Chor angestimmt wird. Da wirkte der zurückhaltende Choral am Samstag mit der feinen Begleitung mit nur Cello und Orgel noch eindrucksvoller.

Der volle, kräftige Klang der etwa 50 Sänger des Bachchores bildete einen fabelhaften Kontrast zu den Solopartien, allen voran zu den einfach gehaltenen Rezitativen.

Die Herkunft der Markuspassion ist nicht ganz gesichert. Zwar wird sie dem Opernkomponisten Reinhard Keiser zugeschrieben, wahrscheinlich stammt sie jedoch von seinem Vater Gottfried Keiser. Johann Sebastian Bach hat das Werk bearbeitet und ergänzt und mindestens zwei Mal in Leipzig aufgeführt. Bachs eigene Markuspassion, die später, nach der Matthäuspassion, entstanden ist, gilt als verschollen.

von Mareike Bader

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