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Ein schräger Antiheld auf Kreuzfahrt

OP-Buchtipp: Frank Schulz: „Onno Viets und das Schiff...“ Ein schräger Antiheld auf Kreuzfahrt

In Frank Schulz‘ druckfrischem neuen Roman „Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen“ geht es um Liebe, Verzweiflung und Verrat.

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Der Hamburger Autor Frank Schulz gilt als einer der großen humoristischen Erzähler der Gegenwart.

Quelle: Foto: Gunter Glücklich

Onno Viets ist wieder da und ganz der Alte: Beruflich erfolglos, an der Tischtennisplatte fast unschlagbar, in der Liebe seiner angetrauten Edda verbunden. Und doch ist alles anders. Der Hamburger Autor Frank Schulz schickt ihn in seinem neuen Roman „Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen“ auf Kreuzfahrt im Mittelmeer. Viets scheint den Kulissenwechsel dringend nötig zu haben.

Schließlich leidet er an einer posttraumatischen Belastungsstörung, die sich zur umfassenden Sinn- und Lebenskrise ausweitet. Wer, wenn nicht Frank Schulz könnte daraus eine irrwitzige Geschichte über Freundschaft, Liebe, Verrat und Verzweiflung machen, die am Ende nicht so komisch ist, wie sie am Anfang erscheint und gerade dadurch an Größe gewinnt.

Nicht einmal zwei Wochen vor Erscheinen des Romans hat Frank Schulz den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor bekommen. Der Autor spiele meisterhaft auf der Klaviatur des Komischen, lautete die Begründung des Stiftungsrates. Schulz gehöre mittlerweile zu den großen humoristischen Erzählern der Gegenwart. Das ist nicht übertrieben. Gerade die beiden Onno-Viets-Romane sind der Beweis dafür.

Im ersten „Onno Viets und der Irre vom Kiez“ (2012) lässt Schulz seinen Helden in Hamburg auf einem Alsterdampfer gegen einen zweieinhalb Zentner schweren, ganzkörpertätowierten und extrem gewaltbereiten Geiselnehmer kämpfen. Das Feuilleton und viele Schriftstellerkollegen waren begeistert. Nun hat Schulz nachgelegt: Wieder ist der Erzähler Dr. jur. Christopher Dannewitz, Rechtsanwalt und Notar, langjähriger Freund von Onno Viets und Mitglied der Altherrenrunde, die sich regelmäßig in Eppendorf zum Tischtennis trifft.

Beziehungskrise und andere Probleme

Er ist es auch, der Onno mit Donald Maria Jochimsen zusammenbringt. Der ist ein vielseitig begabter Künstler, Autor des Internet-Handpuppenspiels „Kaspar Spackennacken“, das Frank Schulz Szene für Szene in den Roman integriert hat. Aber Jochimsen ist auch hochgradig neurotisch, narzisstisch und verliebt in Kristin Luise, Sängerin und Tänzerin auf einem Kreuzfahrtschiff der Reederei FLIP Cruises. Seit Monaten führt er eine „Mail- und SMS-Beziehung“, will nun Nägel mit Köpfen machen und bucht eine Kreuzfahrt auf der „Flipper IV“ durchs Mittelmeer.

Zu seinen zahlreichen Macken gehört auch Viktimophobie, die Angst, Opfer von Gewalttaten zu werden. Und so schlägt ihm Dannewitz vor, Onno Viets als Leibwächter mit an Bord zu nehmen. Die Ausgangslage des Romans ist also schon skurril genug. Hinzu kommt, dass Onno nach dem Geiseldrama auf dem Alsterdampfer „Saselbek“ psychisch immer noch labil ist. Aber nicht nur das: Er steckt in einer Beziehungskrise. Und das will was heißen, schließlich sind Onno und seine Frau Edda seit 30 Jahren ein Paar, genauer gesagt ein Paar, wie man es sich nur wünschen kann.

Während Jochimsen auf der „Flipper IV“ seiner Kristin Luise näherzukommen hofft, entfernt sich Onno nicht nur geografisch immer weiter von Edda - bis er Hals über Kopf die Kreuzfahrt abbricht, nach Hamburg zurückreist und schließlich alles den Bach runtergeht. Frank Schulz wäre nicht Frank Schulz, wenn der Roman nicht immer wieder die ein oder andere unerwartete Wendung nehmen würde. Ein „Krimi“ wie der erste Onno-Viets-Roman, ist der zweite zwar nicht und deswegen nicht ganz so temporeich. Aber der Leser fühlt sich dem Antihelden Onno schnell wieder so nahe, dass man am Ende hofft, es möge möglichst bald weitergehen.

  • Frank Schulz: „Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen“, Galiani Verlag, 321 Seiten, 19,99 Euro.

von Andreas Heimann

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