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Ein klasse Ensemble mit großem Potenzial

Universitätschor Ein klasse Ensemble mit großem Potenzial

Schon eine halbe Stunde vor Konzertbeginn waren am Freitag fast alle Sitzplätze im Mittelteil der Universitätskirche belegt. Am Ende waren rund 500 Zuhörer glücklich, dieses Konzert miterlebt zu haben.

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Mehr als 50 Choristen des Marburger Uni-Chors boten ein beeindruckendes Konzert.

Quelle: Helmut Rottmann

Marburg. Fans des Uni-versitätschors, von dessen neuem Dirigenten Bezirkskantor Nils Kuppe, Sängerinnen und Sänger anderer Marburger Chöre sowie Musikbegeisterte waren in froher Anspannung. Dazu trug auch das anspruchsvolle und abwechslungsreiche Programm bei.

Musik von Monteverdi, Berger, Schein, Debussy, Buchenberg und Poos sowie Distlers „Totentanz“ als zentrales Werk hatten die mehr als 50 Choristen des Universitätschors unter Nils Kuppe einstudiert. Der Chor - zu etwa zwei Dritteln besetzt mit Frauen, zu einem Drittel mit Männer - sang 90 Minuten lang. Es war Gesang ohne Instrumentalbegleitung, mit Leichtigkeit in Ton und Farbigkeit im Klang, ausgewogen und transparent.

Zu Recht widmet sich der UniChor seit Jahren den Werken von Wilhelm Berger. Das bewies auch seine sechsstimmige Gedichts-Vertonung „Müde, das Lebensboot weiter zu steuern“. Die zart sich reibenden Harmonien türmten sich nach und nach zu mächtigen Klangbauten auf. Der A-cappella-Chor sang mit feinen dynamischen Nuancen und in fast ausgewogenem Klang. Hierbei fiel eine punktuelle Stimmendominanz von Sopran und Tenor auf und die Aussprache hätte klarer sein dürfen.

Hugo Distlers „Totentanz“ war ein Genuss fürs Auge und Ohr. Der Uni-Chor Marburg sang von der Empore, um dem Ensemble „Dreierlei“ für eurythmischen Tanz, Schauspiel und Deklamation den Altarraum zu überlassen.

Die Sprüche und den Chorgesang unterstützte und bereicherte mit faszinierender Gestik, in fließenden Bewegungen und prononcierten Akzentierungen Gabriele Görich in der pantomimisch-tänzerischen Dar-stellung des Todes.

Holger Giebel und Ursula Braun gefielen mit ausgefeilter Sprache und variantenreicher Darstellung der Personen sowie Benno Zinkgraf mit feinem Spiel auf der Querflöte.

Dem Uni-Chor unter dem Dirigat von Nils Kuppe gelang eine einfühlsame Textausdeutung in Ton, Harmonik und Dynamik sowie mit klarer Sprache. Er vermittelte die 14 Sprüche als spannende Gestaltung und Formung der Akkordik, der Polyphonie und polymerer Strukturen sowie Elemente der Pentatonik und der Minimalmusik.

Mit einer ausdruckvollen Ausdeutung der drei Dowland-Lieder glänzten Sänger Matthias Weyel mit großen Gefühlsmomenten und kleinen tonalen Schwächen bei schlicht-dezenter Gitarrenbegleitung von Knut Kramer, Leiter der Marburger Musikschule.

In den drei Chansons von Debussy fühlte sich der Universitätschor Marburg hörbar wohl in Melodie, Harmonik und Halbton-Schonschritten, beim schönen Terzett im Wechsel mit dem Chor sowie fugischen Verläufen. Da fielen punktuelle tonale Schwächen bei Einsätzen, im Sopran sowie kleine rhythmische Wackler nicht ins Gewicht. Je drei Lieder von Buchenberg in ergreifender Schlichtheit und von Poos mit hoher Sprach- und Gesangskunst rundeten das Konzert ab.

Das Publikum feierte den UniChor und Dirigent Nils Kuppe sowie alle Beteiligten mit stürmischem Beifall, mit Fußgetrampel und einzelnen Bravorufen.

Mit dem Uni-Chor Marburg und Dirigent Kuppe scheinen sich zwei gefunden zu haben, die gerne anspruchsvolle Chorliteratur aufführen wollen und Lust auf Neues haben.

Ein klasse Chor mit großem Potenzial. Man darf auf ihr nächstes, das 50. Semesterabschlusskonzert, gespannt sein: Am 18. Juli 2014 feiert der Chor Marburg sein 25-jähriges Bestehen mit Jubiläumskonzert in „seiner“ Universitätskirche.

von Helmut Rottmann

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