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Ein fröhliches Sommerkonzert

Kantorei Marburger Land Ein fröhliches Sommerkonzert

Stimmungsvoller Abend in Fronhausen: Drei selten gespielte weltliche Kantaten von Johann Sebastian Bach erklangen am Sonntag in der Evangelischen Kirche. Rund 100 Musikfreunde waren begeistert.

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Die Kantorei Marburger Land bot bei ihrem Sommerkonzert in Fronhausen in ihren historischen Kostümen ein sehr stimmungsvolles Bild.

Quelle: Bettina Preussner

Fronhausen. Johann Sebastian Bach, der geniale Komponist der h-Moll-Messe, der 
Johannespassion und des Weihnachtsoratoriums, hatte offen­bar auch eine lebenslustige und humorvolle Seite. Das zeigen seine weltlichen Kantaten, die etwas im Schatten der geistlichen Werke stehen und eher selten gespielt werden.

Die Kantorei Marburger Land präsentierte am Sonntag drei interessante Werke: die Jagdkantate, die Kaffee-Kantate und die Bauernkantate. Diese Musik war nicht für den Gottesdienst komponiert, sondern wurde zu Festen oder Geburtstagen in den Häusern der Adeligen gespielt.

Die Kantorei Marburger Land bot in ihren historischen Kostümen ein sehr ansprechendes Bild, das bestens in die wunderschöne alte Kirche von Fronhausen passte. Das Ensemble schuf einen angenehmen, harmonischen und runden Klang und sang mit viel Frische und Hingabe. Da fiel es nicht weiter ins Gewicht, dass nicht 
immer alle Einsätze makellos klappten.

Kammerorchester spielten sicher und mit Feingefühl

Ein bisschen schade war allerdings, dass der Chor in den ausgewählten Stücken nur 
relativ wenige Passagen zu singen hatte. Weite Teile des Konzertes wurden von den Solisten bestritten. Die Sopranistin Kira Petry überzeugte mit ihrer warmen und ausdrucksvollen Stimme, auch wenn die Intonation 
vor allem in den hohen Lagen nicht immer perfekt stimmte.

Marc Müllenhoff übernahm die Partien des Tenors und sang 
sicher und engagiert. Hartmut Raatz hatte eine volle und runde Bassstimme und konnte sich gut in seine jeweilige Rolle hineindenken. Annette von Malek, die sonst am Cembalo saß, sprang für die zweite Sopranistin Johanna Tierling ein, die kurzfristig abgesagt hatte.

Begleitet wurden Chor und Solisten von einer kleinen Auswahl an Musikern aus dem Kammerorchester Marburg. Sie spielten durchgehend sicher und mit viel Feingefühl. Die Leitung hatte Bezirkskantorin Christiane Kessler, die mal zart und mal energisch die Einsätze anzeigte.

Im Konzert war zuerst Bachs frühe Jagdkantate zu hören, die 1713 in Sachsen-Weißenfeld entstand. Sie schildert einen Streit zwischen vier antiken Göttern, die Jagdgöttin Diana tritt ebenso auf wie der Berg- und Herdengott Pan. Die vier preisen die Jagd und gleichzeitig den Herzog, dessen Geburtstag mit viel Pomp gefeiert wird.

Abschluss in sächsischer Mundart

Die zweite Kantate „Schweigt stille, plaudert nicht“ wurde als Kaffee-Kantate bekannt und berühmt. Es geht um den unmäßigen Kaffee-Konsum eines jungen Mädchens, den der strenge Vater verbieten will. Erst wenn sie vom Kaffee ablasse, bekomme sie einen Ehemann, erklärt der besorgte Papa. Aber das gewitzte Lieschen setzt sich durch und erreicht, dass im Ehevertrag das Kaffeetrinken ausdrücklich erlaubt wird.

Abschließend erklang Bachs Kantate „Mer hahn en neue Oberkeet“, die als Bauernkantate bekannt wurde. Sie ist gleichzeitig Bekundung der Ergebenheit und Schilderung ländlichen Milieus. Eine Besonderheit der amüsanten Kantate ist, dass sie teilweise in sächsischer Mundart geschrieben wurde.

Am Ende gab es viel Applaus vom Publikum für den Chor, die Musiker und die Solisten für ein fröhliches Sommerkonzert.

von Bettina Preussner

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