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Ein Wiedersehen mit den 70ern

Leiter des Literaturarchivs Marbach Ein Wiedersehen mit den 70ern

Ortsmarken, Lesestationen und Lesestoffe – Autor Ulrich Raulff erinnert sich an seine „wilden Jahre des Lesens“ und kehrt zu einer Lesung an einen seiner Studienorte zurück.

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Ulrich Raulff erinnerte bei seiner Lesung im Café Vetter unter anderem an Uni-Diskussionen, bei denen es „um mindestens alles“ ging.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Feuilleton-Chef der FAZ. Leitender Redakteur bei der „Süddeutschen“. Autor. Intellektueller. Professor ehrenhalber. Seit 2004 nun Leiter des Deutschen Literaturarchivs in Marbach. Und wo hat alles angefangen? In Marburg. Zumindest, was das Studium von Professor Dr. Ulrich Raulff angeht.

Und auch wenn er in einem Alumni-Porträt der Universität den Prasselkuchen der Konditorei Klingelhöfer als eine seiner spontanen Assoziationen zu Marburg nennt, war er am vergangenen Sonntag zu einer Lesung der Neuen Literarischen Gesellschaft ins Café Vetter gekommen.

Geboren in Nordrhein-Westfalen verschlug es den 65-Jährigen über Marburg, Frankfurt, Paris, Berlin und London ans Literaturarchiv. In seinem Buch „Wiedersehen mit den 70ern“ reist er zurück an die Orte der Vergangenheit und mehr noch zu den damit verbundenen Lesestoffen – die seien wichtiger als die Ortsmarken, erklärte Raulff.

Die Zeit der 68er sei vorbei gewesen, als er zum Studium nach Marburg kam; „Teach-ins“, Demos und freie Liebe, das hatte er verpasst, und von der ersten „Marburger Schule“ war an der Philipps-Universität auch nichts mehr zu spüren.

„Wir versuchen alle, gute Linke zu sein“

Raulff erinnert sich an Vorlesungen von Wolfgang Abendroth und Heinz Schlaffer, an Diskussionen, bei denen es „um mindestens alles“ ging und an den jungen Philosophen, der sich in den 70ern auf der Fußgängerbrücke zur Mensa „lesend und denkend“ erging.

Marburg sei damals von den Spielarten des Neomarxismus geprägt gewesen: „Wir versuchen alle, gute Linke zu sein.“ Überwältigt, nicht überfordert seien sie damals gewesen; glücklich, weil sie kein wirkliches privates Leben gehabt haben.

Eigentlich hatte er an seinem Buch „Das letzte Jahrhundert der Pferde“ gearbeitet (aus dem er bei seinem Besuch in Marburg ebenfalls las), als ihm das „Wiedersehen mit den 70ern“ wie eine kleine Sternschnuppe dazwischenfuhr, erzählt Ulrich Raulff.

Und während seine Erinnerungen an die „wilden Jahre des Lesens“ (so der Untertitel) aus dem persönlichen Leben und Erleben gespeist sind, ist „Das letzte Jahrhundert der Pferde“ ein Buch, das vollkommen aus der Bibliothek entstanden ist, wie der Autor verriet.

von Nadja Schwarzwäller

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