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Ein „Weltbürger“ verbindet Kulturen

Marburger Akkordeonfestival Ein „Weltbürger“ verbindet Kulturen

Drei Tage lang zog das fünfte Marburger Akkordeon-Festival zahlreiche Künstler und ein breites Publikum in die Universitätsstadt, allesamt Fans des sogenannten „Weltbürgers“ der Instrumente.

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Mit leidenschaftlicher Stimme und schwungvollen Klängen begeisterte Akkordeonistin Lydie Auvray Hunderte Besucher in der Elisabeth­kirche.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Hunderte Zuhörer lockte am Samstagabend alleine Lydie Auvray, die „Grande 
Dame des Akkordeons“, zu 
einem Konzert in die voll besetzte Elisabethkirche.

Die in Köln lebende gebürtige Französin zeigte mit ihrem 
Soloprogramm „Pur Plaisir“, dass das allseits bekannte, zeitweise belächelte Handzugins­trument unlängst aus dem Schatten der reinen Folklore treten konnte und eine populäre Wiederbelebung in den 
 Musikstilen dieser Welt erfuhr.

Mit schwungvoller Leichtigkeit und musikalischer Tiefe führte die Sängerin, Komponistin und Musikerin durch ihr Programm, nahm das Publikum mit zu 
einer Reise in die Weltmusik: Sie spielte zahlreiche selbst komponierte Stücke mit vielfältigen Einflüssen aus Tango, Chanson, Musette, Swing oder Klassik, garnierte jedes Stück mit 
einer kleinen, humorvollen Anekdote.

Zwischen Melancholie und frechem Mundwerk

„Es lebe das Akkordeon“, betonte sie die Vielfältigkeit ihres liebsten Instruments, mit dem sie selbst ihr Leben auf musikalische Weise erzählte. So erinnern sie ihre Songs an Stationen ihrer 40-jährigen Karriere, an ihre Familie oder Jugend in der Normandie am Meer, dem sie gleich das besonders tiefgründige, weit tragende Stück „Das Meer“ widmete, das harmonisch durch das alte Gemäuer der „E-Kirche“ schallte.

Melancholisch gestaltete sich das Lied „Aller-Retour“, das die sorgenvolle Mutter schrieb, nachdem ihre Tochter nach Südamerika reiste. „Aber sie kam ja wieder“, berichtete Auvray lachend zwischen zwei Stücken auf ihrem Knopfakkordeon. Bunt, sprunghaft und mit ironischem Text kamen wiederum Songs wie „El cidre“ oder „Java en-on“ daher. Letzterer besingt das Akkordeon selbst, feiert es „als Schelm, als frechen Burschen“ mit frechem Mundwerk.

Das Publikum honorierte das schwungvolle, abwechslungsreiche Konzert mit stetem Applaus und jeder Menge Lob. Selbst jene, die dem Akkordeon bis dato weniger abgewinnen konnten, zeigten sich beeindruckt: „Sie ist extrem virtuos, sehr variabel und hat nicht den üblichen Sound“, lobte etwa Besucherin Eva Faust.

Neben der Musikerin aus Frankreich trat bei dem kleinen Festival ebenso der preisgekrönte Akkordeonist Ihar Kvashevich aus Weißrussland auf, der am Freitag den musikalischen Auftakt des Festivals gab. Am Sonntag trat das Quartett „Viaggio“ aus Hamburg mit Akkordeon, Klarinette, Bass und Percus­sions 
in Aktion und lockte die Besucher an die Lahn ins Ufercafé.

„Das Akkordeon verbindet Kulturen“

Drei Tage lang genossen Gäste und Musiker ein buntes Programm und musikalische Momente quer durch die Marburger Innenstadt, mit Straßenmusikbühnen in der Altstadt, zahlreichen Workshops und einem Akkordeon-Café.

Das turnusgemäß alle zwei Jahre statt findende Fest wurde von der Musikschule Marburg und dem Projekt Kultur und Kulturen veranstaltet, unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach. Der Siegeszug der umgangssprachlich genannten Handorgel begann erst vor 200 Jahren und führte in alle Ecken dieser Welt. Daran erinnerten auch die Organisatoren.

„Wir wollen das Akkordeon in den Fokus stellen und an seine stilistische Vielfalt erinnern“, sagte Knut Kramer von der Musikschule. Diese bestehe aus zahlreichen musikalischen Einflüssen aus aller Herren Länder, von Klassik, über Blues und Folk, bis zum Tango, allesamt vereint in einem handlichen Instrument: „Das Akkordeon verbindet Kulturen“, fasste Kramer zusammen.

Mit dem mit mehr als 700 Zuhörern gut besuchten Festival zeigten sich die Veranstalter sehr zufrieden. „Wir sind völlig glücklich, vor allem über das strahlend schöne Wetter“, sagte Helga Pukall 
(Kultur und Kulturen). Gerade 
für die zahlreichen Solisten und Ensembles, die während des Festivals die Oberstadt 
bereicherten, sei dies ein echter Glücksfall gewesen.

von Ina Tannert

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