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Ein Wechselbad der Gefühle

Pfingstkonzert der Jungen Kantorei Ein Wechselbad der Gefühle

Die Junge Kantorei bestach bei ihrem Pfingstkonzert mit feierlich beschwingten Passagen und andächtigen Chorälen aus unterschiedlichen Traditionen.

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Die Junge Kantorei trat beim Pfingstkonzert in der Marburger Pfarrkirche mit ihrem eigenen ­Orchester auf.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Schlusschor der Dank-Hymne an die Freundschaft von Carl Philipp Emanuel Bach glich einem Wechselbad der Gefühle. Die lebhaft festliche Chorpassage wurde von den Laiensängern und -sängerinnen der Jungen Kantorei kraftvoll intoniert, begleitet wurde der Chor dabei vom vollen Orchester mit Pauken und Trompeten. In das Werk eingebettet sind sanfte Choräle, interpretiert von den Solisten Jasmin Hörner (Sopran), Christian Rathgeber (Tenor) und Florian Küppers (Bass). Letzterer war kurzfristig eingesprungen, ebenso wie einige Musiker des Orchesters der Jungen Kantorei.

Darunter war auch Thorsten Mann, der am Cembalo Rien Voskuilen vertrat. Der langjährige Cembalist war nach einem Unfall verletzt, bei dem nach Aussage von Dirigent Jonathan Hofmann auch dessen Orgel ­kaputt gegangen sei.

Die drei Solisten standen im Mittelpunkt der Dank-Hymne, die mit reizenden Rezitativen und wunderschönen Arien besticht. Die großangelegte Kantate, die Carl Philipp Emanuel­ Bach 1785 als 72-Jähriger in Hamburg schrieb, ist eine der wenigen überlieferten Auftragswerke des zweiten überlebenden Bach-Sohnes und wurde­ erst im Jahr 1999 wiederentdeckt.

Grandioses Wechselspiel mit kräftigen Zäsuren

Ein richtiger Kontrast dazu­ war die Trinitatismesse von Wolfgang Amadeus Mozart, die dieser 1773 als 17-Jähriger zur Aufführung an Pfingstsonntag geschrieben hatte. „Die Vorstellung, Werke von Carl Philipp Emanuel Bach und Wolfgang Amadeus Mozart in einem Konzert zu kombinieren, fasziniert mich schon seit langer Zeit“, beschrieb Jonathan Hofmann diese Auswahl im Programmheft. Die Unterschiede zwischen den beiden Komponisten, deren Lebenszeit sich um mehr als drei Jahrzehnte überschnitt, sind wirklich bemerkenswert.

Dem facettenreichen Werk des Bach-Sohns stellt Dirigent Hofmann die schlichte Messe des jungen Mozart gegenüber. Erinnert der Chor zu Beginn der Hymne des Bach-Sohns an die schönen Choräle des berühmten Vaters Johann Sebastian Bach, lässt Mozart die Stimmen eigenständige Wege gehen – fast wie die alten Meister Palestrina oder Josquin de Pres.

Schon im Kyrie spielt Mozart mit der Polyphonie und dem homorhythmisch gehaltenen „Christe eleison“. Besonders elegant gestaltet sind das Gloria und das Credo, wo Mozart fein auf den Text reagiert. Grandios griffen die Laien der Jungen Kantorei dieses Wechselspiel auf mit kräftigen Zäsuren.

Zum starken, einheitlich agierenden Chor gesellte­ sich ­
ein äußerst munteres Orches­ter mit vielen schnellen ­Figuren. Am Ende dominiert der kraftvolle­ Chor durch die ­Eigenständigkeit der Stimmen. Diese tritt im Credo schneller ein, dafür setzen die Zäsuren 
deutlichere Einschnitte.

Schlussapplaus schon vor dem letzten Stück

Mehrfach dreht sich die Musik um das Wort „descendit“, und preist damit, dass Jesus vom Himmel gekommen war. Wie ­eine Treppe aufeinandergelegt, steigerten sich die Stimmen zu „Et incarnatus est“ und feierten damit die Wiedergeburt als Heiliger Geist. So schlicht die Messe im ersten Moment schien – und mit 30 Minuten ist sie zudem noch verhältnismäßig kurz – so intensiv widmete sich ­Mozart der Textvertonung – auch darin erinnerte dies an die alten Meister.

Zwischen den beiden Werken erklang die kurze, frische und feierliche Sinfonie in C, Nr. 9 von Mozart. Das atmosphärische „Da pacem Domine“ von Arvo Pärt, das der estnische Komponist 2004 als Reaktion auf die Bombenanschläge in Madrid geschrieben hatte, beschloss das Konzert.

Um den intensiven Effekt zu verdeutlichen, gab es bereits vor dem abschließenden Werk den langen, kräftigen Schlussapplaus. Und so gingen nach ­einem gemeinsamen Innehalten Musiker und Publikum in Ruhe auseinander.

Die Junge Kantorei 1968 aus dem Zusammenschluss der „Hessische Schülerkantorei“ mit dem damaligen Studentenchor der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität – dem „Frankfurter Motettenchor“ – und der „Dornbusch-Kantorei“. Die Mitglieder proben in Teilchören in Frankfurt, Heidelberg und Marburg. In Marburg probt der Chor dienstags im Gemeindehaus der Martinskirche Wehrda.

von Mareike Bader

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