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"Ein Visionär und Erneuerer"

Marburger Kamerapreis für Luca Bigazzi "Ein Visionär und Erneuerer"

Der einst berühmte italienische Film ist ins Abseits gerückt. Zu unrecht, meint die Jury des Marburger Kamerapreises. Sie zeichnet Luca Bigazzi aus.

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Der italienische Kameramann Luca Bigazzi erhält den Marburger Kamerapreis 2017.

Quelle: Gianni Fiorito

Marburg. Der Marburger Kamerapreis 2017 geht an den Luca Bigazzi. Dies teilten am Freitag Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach und der Medienswissenschaftler Professor Dr. Malte Hagener mit. Bigazzi ist der erste italienische Kameramann unter den bisher 17 Preisträgern. Der von der Stadt Marburg und der Philipps-Universität vergebene Preis ist mit 5 000 Euro dotiert. Er wird am 4. März kommenden Jahres verliehen. Bigazzi wurde bekannt durch Filme wie „Brot und Tulpen“ und das Oscar-prämierte Rom-Epos „La Grande Bellezza“. Der Preis wird seit 2001 vergeben. Wie Hagener erklärte, ist der erste Preisträger Raoul Coutard vergangenen Dienstag im Alter von 98 Jahren verstorben.

Mehr als 70 Spielfilme hat der 1958 in Mailand geborene Kameramann Luca Bigazzi gedreht. Viele davon sind in Deutschland nahezu unbekannt, einige aber kennt man auch hierzulande: „Brot und Tulpen“ von Regisseur Silvio Soldini mit Bruno Ganz und Licia Maglietta aus dem Jahr 2000 etwa. Der Film lief mit großem Erfolg auch in Deutschland, für den Kameramann war er der Durchbruch.

Für Regisseur Paolo Sorrentino fotografierte er das Rom-Epos  „La Grande Bellezza“ (2013) als grandiosen, opulenten Bilderbogen. Dafür gab es den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film. Ein Publikumserfolg war 2015 die Tragikomödie „Ewige Jugend“ mit den Hollywoodstars Harvey Keitel und Michael Caine.

„Unter den aktiven Kameraleuten des italienischen Films nimmt Luca Bigazzi eine herausragende Stellung ein“, heißt es in der Begründung der Jury. Der Marburger Medienwissenschaftler Professor Malte Hagener betonte gestern bei der Bekanntgabe des Preisträgers die enorme Bandbreite des künstlerischen Schaffens von Luca Bigazzi, die er meisterhaft beherrsche – von der dokumentarischen Ästhetik des Neorealismus bis hin zu opulenter barocker Ästhetik. Mit seiner Experimentierfreudigkeit und Offenheit für digitale Techniken sei Bigazzi ein „Visionär und ­Erneuerer des europäischen ­Kinos“.

Kamerapreis wird am 2. und 4. März verliehen

Rüdiger Laske vom Berufsverband Kinematografie erklärte, der Name Bigazzi habe ihm anfangs nichts gesagt, die Filme aber kenne er sehr wohl: „Wir haben den europäischen Film aus dem Auge verloren, besonders den italienischen“, sagte­ Laske. Der Preis für Bigazzi richte das Augenmerk auf das europäische und speziell das italienische Kino, das von der Marktmacht Hollywoods schier erdrückt werde.

Hubert Hetsch, der Betreiber der Marburger Filmkunstkinos, geht noch weiter: Bigazzi knüpfe an die großen italienischen Kinotraditionen an, leider habe der deutsche und der französische Film den italienischen in der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt.Viel seiner Filme seien in Deutschland „unter Wert“ gelaufen.

Luca Bigazzi ist der 17. Marburger Kamerapreisträger und der erste aus Italien. Der Kamerapreis wird seit 2011 gemeinsam von der Stadt Marburg und der Philipps-Universität vergeben. Er ist mit 5 000 Euro dotiert. Das Geld stiften der Kamerahersteller Arri und die Sparkasse. Der Marburger Kamerapreis wird am 3. und 4. März 2017 im Rahmen der Marburger Bild-Kunst Kameragespräche verliehen.

von Uwe Badouin

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