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Ein Verein im Dienst der Kunst

Museumsfreunde feiern Jubiläum Ein Verein im Dienst der Kunst

Vergangenheit und Zukunft: Im altehrwürdigen Fürstensaal feierten die Museumsfreunde am Mittwochabend ihr 25-jähriges Bestehen. Sie richteten den Blick in erster Linie nach vorn - ins künftig sanierte Museum

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Bernd Höhmann (von links), Christoph Otterbeck, Uni-Vizepräsident Joachim Schachtner, Uni-Präsidentin Katharina Krause, Bürgermeister Franz Kahle und Horst Piringer feierten beim Festakt der Museumsfreunde. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Was wäre die Gesellschaft ohne bürgerschaftliches Engagement, ohne die vielen Menschen, die sich ehrenamtlich einsetzen? Auf jeden Fall ärmer.

Seit 25 Jahren gibt es den 1988 auch unter Mitwirkung des damaligen Museumsdirektors Dr. Jürgen Wittstock gegründeten Verein Freunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte Marburg, das im Volksmund nur Universitätsmuseum heißt und zwei große Standorte hat: Das Kunstmuseum im Ernst-von-Hülsen-Haus im Herzen der Stadt und das kulturgeschichtliche Museum im Landgrafenschloss hoch über der Stadt.

Die Museumsfreunde konzentrieren sich in ihrem Engagement vorrangig auf das Kunstmuseum, haben das Museum seither sowohl materiell und ideell intensiv unterstützt - und werden dies auch weiter tun, wie der Vorsitzende der Museumsfreunde, Horst Piringer, betonte. Allein 38 Ankäufe von Kunstwerken gehen auf die Initiative des Vereins zurück. Doch das ist bei weitem nicht alles, was der Verein für das Museum macht. Wo immer es geht, werben Piringer und seine Mitstreiter für das Haus, für seine Sammlungen.

Jetzte stehen Museum und Museumsfreunde vor einer entscheidenden Wegmarke. Das Museum in der Biegenstraße wird aufwändig saniert: Rund 5 Millionen Euro kostet nach Angaben der Universitätspräsidentin Professorin Katharina Krause alleine die Sanierung der Außenhülle. Weitere 2,5 Millionen Euro sind für den ersten Bauabschnitt der Innensanierung vorgesehen. „Die Hälfte davon haben wir“, sagte Katharina Krause der OP. Da kommt auch der Verein ins Spiel, der Lobbyarbeit für das Museum betreibt, potenzielle Sponsoren und Spender anspricht und dessen derzeit 170 Mitglieder oft selbst tief in die Tasche greifen, um dem Museum zu helfen.

Bernd Höhmann, der stellvertretende Vorsitzende der Museumsfreunde, hob beim Festakt die Marburger Sammlungen hervor. Es seien die bedeutendsten zwischen den beiden großen hessischen Museumsstandorten in Frankfurt und Kassel. Und er beklagte eine Schieflage: Mittelhessen werde vom Land vernachlässigt, die Schere zwischen Rhein-Main-Gebiet und Kassel auf der einen und Mittelhessen auf der anderen Seite klaffe immer weiter auseinander. Höhmann weiß wovon er spricht: Als langjähriger Kanzler der Philipps Universität hat er unzählige Etatverhandlungen erlebt. Die Universität, so der Appell der Museumsfreunde, dürfe vom Land mit ihren Museumsaufgaben nicht alleine gelassen werden.

In Marburg kommt unterdessen Bewegung in die Diskussion um die Zukunft des Museumsstandortes. Die Potenzialstudie habe erste Anregungen gegeben, wie die Zukunft aussehen könne, betonte Katharina Krause. Auch die Stadt Marburg diskutiert, ob und wie sie die Museumsarbeit der Universität unterstützen kann, ob sie gemeinsam mit der Universität im Schloss aktiv wird, dort eventuell den Aufbau eines Stadtmuseums unterstützt. Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Die Grünen), der den erkrankten Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) und auch Landrat Robert Fischbach (CDU) vertrat, sagte, der Verein und das Museum seien wichtig für die kulturelle Vielfalt in der Stadt. Summen nannte er im Fürstensaal nicht.

Museumsdirektor Dr. Christoph Otterbeck wird unterdessen nicht müde, die Chancen zu betonen, die die Marburger Museen und Sammlungen der Universität aber auch der Stadt bieten. Durch die Sanierung des Ernst-von-Hülsen-Hauses gebe es neue Gestaltungsspielräume. Foto Marburg, einer der größten Nutzer, wird das Gebäude verlassen, dadurch werden alte Rundgänge wieder geöffnet. Zudem soll das Museum durch Aufzüge barrierefrei erschlossen werden. Eine Museumspädagogik und eine Kreativwerkstatt sollen den „Zukunftsraum Museum“ komplettieren.

Ideen gibt es viele, allein, es fehlt an Geld. Darüber wurde zwar öffentlich nicht gesprochen, doch kann die Sanierung des Hülsenhauses leicht 10 Millionen Euro kosten.Ein Grund: In den vergangenen Jahren wurde kaum in den Erhalt investiert. So mahnte Unipräsidentin Krause im Gespräch mit der OP auch ein Umdenken beim Land an. Man müsse in den Bau-Etats auch die Bauunterhaltung vorsehen.

Anlässlich des Jubiläums hat der Freundeskreis eine 90seitige, sehr lesenswerte Festschrift herausgegeben, in der sich Autorinnen und Autor Gisela Babel, Karin Ahrens, Horst Piringer, Professor Bernhard Maisch und viele andere mit Künstlern, mit der Geschichte des Vereins und der Zukunft des Museums auseinandersetzen.

Musikalisch umrahmt wurde die Festveranstaltung von Schülerinnen und Schülern des Gymnasium Philippinum mit Werken von Bach, Mozart, Strauss und anderen.

von Uwe Badouin

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