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Ein Theaterabend als Gartenparty

ndc angerichtet Ein Theaterabend als Gartenparty

Der Marburger Theatersommer des Hessischen Landestheaters hat seit Freitag ein weiteres Highlight zu bieten: Theater im Grünen und unter Freunden.

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Max Philipp Schröder (Mitte) ist Schauspieler, drumherum Gäste oder weitere Darsteller. „ndc angerichtet“ ist ein ungewöhnliches Theaterprojekt in privaten Räumen. Foto: Vera Zimmermann

Marburg. Nina, Philipp und Thomas sind Schauspieler. Das ist ihr Beruf. Damit verdienen sie ihr Geld. Doch „verdienen” sie wirklich, was sie bekommen? Philipp ist sich sehr sicher, Thomas und Nina zweifeln. Die drei – Thomas Huth aus dem Marburger Schauspielensemble sowie Nina Heithausen und Max Philipp Schröder und Regisseurin Maghz Barrawasser – erkunden in der außergewöhnlichen Inszenierung im Rahmen des Marburger Theatersommers die Implikationen und Komplikationen ihrer Profession sowie die von Kunst und Künstlern allgemein, von Musik und Malerei, aber auch die der Liebe, der Freundschaft, des Begehrens, des Wünschens und Träumens, des Scheiterns und Hoffens – kurz: es geht um menschliche Grunderfahrungen, aber nicht abstrakt, sondern ganz konkret am Beispiel der Erfahrungen von Nina, Philipp und Thomas.

40 Theaterbesucher zu Gast im Garten

Das Außergewöhnlichste an „ndc angerichtet” – der Titel basiert auf Rodrigo Garcías‘ „notas de cocina” („Küchennotizen”) – ist natürlich der Spielort. Es sind private Räume ganz unterschiedlicher Art, deren Bewohner sich auf einen Aufruf unter anderem in der OP gemeldet haben.

Am Premierenabend sind es Almuth und Harry Westecker, die ihre große, gemütliche Wohnung samt Terrasse und Garten den Theatermachern und ihrem Publikum zur Verfügung stellen und sich als großzügige, freundliche und ein bisschen aufgeregte Gastgeber präsentieren. Schließlich haben sie nicht alle Tage 40 zumeist Fremde samt einer Schauspieltruppe sowie der lokalen Presse zu Gast. Doch die Aufregung legt sich schnell, sobald das erste Glas Wein getrunken ist und es losgehen kann. Aber geht es denn schon los? Oder hat es schon angefangen? Wo ist denn hier das Stück?

Ganz natürlich lösen sich schließlich die ersten Sätze des einstudierten Theatertexts aus dem Gesprächsgemurmel dieser besonderen Gartenparty. Dabei werden philosophische Diskussionen über das Wesen der Kunst abgelöst von Philipps Kochrezepten für Lammhoden in Sahne und Honig oder Ochsengelee, mit deren genüsslicher Schilderung er – typisch Marburg – bei einer Veganerin aus dem Publikum nicht punkten kann. Das Gute: Sie muss ihre Einwände nicht für sich behalten, denn teilnehmen und mitdiskutieren ist erwünscht.

"Ich hasse Blumen"

Auch die Freunde besonders abgedrehter Geschichten kommen auf ihre Kosten. So erzählt Thomas, wie er die beste Suite im Welcome-Hotel bezogen und für eine Nacht 10 000 Euro auf den Tisch gelegt hat – spendabler Tag eben. Das Zimmer jedoch habe ihn optisch nicht so überzeugt, weshalb er einige Umbauten in Angriff nahm. Mit der Rückenbürste aus dem Badezimmer werden die Wände neongrün gestrichen, die Blumentöpfe landen auf dem Pilgrimstein, denn: „Ich hasse Blumen!”

Stattdessen soll anderes Leben hier einziehen und so wird gekauft, was der Zoofachhandel hergibt. Gut, dass die Tiere da sind, denn bald umstellen Sondereinsatzkommandos das Hotel. Das herbeigeschaffte Pony, die zwei elefantengroßen Hunde sowie mehrere Hühnerfamilien kommen daraufhin als Zugtiere für den Flucht-Badezimmerschrank zum Einsatz, den Thomas, eine Ente auf der Schulter, aus dem Fenster steuert und gen Kassel lenkt.

„Ist das noch Theater oder kann ich schon gehen?” In angeregter Atmosphäre und bei abwechslungsreicher Unterhaltung auf hohem Niveau hat sich das an diesem Abend wohl niemand gefragt.

  • „ndc angerichtet“ ist am 17., 18., 20. und 21. Juni wieder zu sehen.
  • Eintrittskarten sind ausschließlich an der Theaterkasse erhältlich in der Galeria Classica erhältlich.
  • Die Kasse ist montags bis freitags von 9 bis 12.30 Uhr und 15 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 9 Uhr bis 12.30 Uhr geöffnet. Dort erfahren Interessierte, wo gespielt wird.

von Vera Zimmermann

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