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Ein Tanz in die Traumzeit

Mittelalter-Rock in der Schlossparkbühne Ein Tanz in die Traumzeit

Gleißendes Gegenlicht, davor stehen schattenhaft in Nebel getauchte Gestalten. Plötzlich wechselt das Licht und der heitere folkloristische Klang von „Faun“ zieht in die mit gut 600 Fans gefüllten Ränge der Schlossparkbühne ein.

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„Faun“ gelten als Senkrechtstarter in der Mittelalter-Rock-Szene (oben und links). Am Freitagabend spielten sie auf der Schlossparkbühne. Im Vorprogramm war „Arven“ aus Frankfurt zu hören (unten).Fotos: Ben Wangler

Marburg. Der Dichter Heinrich Heine schrieb im 19. Jahrhundert davon, dass für die alten Heiden Europas der Tanz Ausdruck ihrer Naturreligiosität gewesen sei, „Tanzen war ein Gottesdienst / War ein Beten mit den Beinen.“

Die Paganfolk-Band „Faun“ lässt sich vor dem Horizont des Dichters begreifen, denn sie singen und tanzen mit dem Gott Pan, wie sie erzählen, und erinnern an das Liedgut und die Geschichten der Zeit des Mittelalters: skandinavische Sagas, keltische Legenden, germanische Mythen, spanische Liebesdichtung, die sie mit mittelalterlichem Instrumentarium zeitgenössisch umsetzen.

Dabei tragen ihre Balladen und Tanzlieder eine sehnsuchtsvolle Schwere und Ernsthaftigkeit in sich, die romantisch und erhaben ergreift. Zugleich scherzen und kokettieren die Faune mit ihren Geschichten und so manch frechem Flötenspiel - ein Geist, der wohl auch bei den mythologischen Faunen zu finden ist.

Vielleicht ist es genau diese Kunst, scheinbare Widersprüche produktiv zu verbinden, die im Januar dieses Jahres bei den Fans zu heftigen Kontroversen führte. Die bisher vor allem in der internationalen Szene erfolgreiche Band entschied sich, mit dem Majorlabel Universal ihr neues Album „Von den Elben“ zu produzieren, gab dabei auch musikalische Entscheidungen ab, war plötzlich im Schlagerradio zu hören und schien vom Mainstream gekauft zu sein.

Beim Konzert am Freitagabend gab es in der Tat zwei, drei neue Songs, die verdächtig nach Pop-Hitparade klangen, doch ausschlaggebend war das nicht - „Fauns“ Auftritt bewies, dass sie sich treu geblieben sind und immer noch den alten Heidenzauber entfachen können.

Am Freitagabend brachten sie trotz oder gerade wegen der frühherbstlichen Kälte die Marburger zum Tanzen und zeigten sich begeistert: „Marburg, ihr seid ein tolles Publikum. Wir werden wiederkommen“, versprach Oliver „saTyr“ Pade, der Nyckelharpa- und Lautenspieler mit der sanften Stimme.

Eingerahmt wurde er von den sirenenhaften Sängerinnen Fiona Rüggeberg, auch Meisterin der Flöten und Dudelsäcke, und Katja Moslehner, deren Stimmgewalt das Publikum in ihren Bann zog. Die Drehleier kurbelte Stephan Groth und ein vielfältiges Percussion-Instrumentarium bediente Rüdiger Maul, im Hintergrund stand Niel Mitra am Mischpult.

Die Vorband „Arven“ trat mit vier Powerfrauen, einem Schlagzeuger und einem geliehenen Gitarristen und Sänger von „Awaiting Dawn“ auf. Mit einer mitreißenden Lead-Gitarre und einer eingängigen und bombastischen Mischung aus Melodic und Speed-Metal wirkten die Songs solide, doch die Balladen sanken in triefenden Kitsch ab und der Gesang von Carina Hanselmann verfehlte etwas zu oft den Ton.

Mit von der Partie war auch Greenpeace mit der Aktion „Marburg wird Baumpate im Spessart“. Zusammen mit „Faun“ sammelten sie Unterschriften gegen die heimliche Abholzung alter Buchenbestände im Spessart.

von Ben Wangler

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