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Ein Schweizer, die Griechen und Japan

Adolf Muschg bei Literatur um 11 Ein Schweizer, die Griechen und Japan

81 und kein bisschen leise – der Schweizer Autor Adolf Muschg war zu Gast in Marburg. Und weil er in seiner Heimat momentan nicht politisieren dürfe, tat er das eben hier.

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Adolf Muschg las aus seinem aktuellen Buch.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. „Ein wunderbares Altersbuch“ sei Muschgs „Die japanische Tasche“, ein „phänomenales Buch“, ein Roman „voll dröhnendem Leben“, „überbordend in den Motiven und hervorragend in der Sprache“, lässt sich im Feuilleton lesen.

Alles beginnt mit einem Selbstmörder, der sich auf die Gleise legt und so den Zug stoppt, in dem Geschichtsprofessor Beat Schneider sitzt. Damit entspinnt sich auf knapp 500 Seiten eine Geschichte voll von Andeutungen und Anspielungen verschiedenster Art.

Übersetzungen in 18 Sprachen

Muschg selbst sagt, das Thema des Buches habe mit dem Verschwinden zu tun. Es gebe eine Konstanz der Themen in seiner Arbeit; auch das, womit er sich aktuell beschäftigt, nämlich Goethes zweite Schweizer Reise, beschäftige sich mit dem Verschwinden. Die Erfahrung, dass etwas, das verschwindet, in der Regel nicht wiederkommt, sieht Adolf Muschg als die Quelle von Religion und Kultur.

Der Autor ist inzwischen 81 Jahre alt, hat bislang über 50 Titel veröffentlicht und wurde in 18 Sprachen übersetzt. „Schreiben ist sich selbst überraschen“, so Muschg. Nach dem Anfangen – „schon das ist schwer genug“ – wüsste man nicht genau, wo es hingehe.

Er ist in seiner Heimat umstritten. „Ich kann momentan nicht in der Schweiz politisieren, also tue ich es in Marburg“, erklärte Muschg bei seiner Lesung am Sonntag im Café Vetter – dem Tag der Abstimmung über die Durchsetzungsinitiative in der Schweiz.

Rückkehr nach 30 Jahren

Was ihn in den letzten Jahren am meisten politisch bekümmert habe, ist „die Rolle, die wir die Griechen haben spielen lassen“, so der Autor. Erst werde das Land zum Sündenbock der Schulden erklärt, und nachher bestimmen wir es zum Lager der Flüchtlinge, die wir nicht mehr wollen“. Und das, obwohl die griechische Kultur und damit auch die unsere auf der Freundlichkeit gegenüber Fremden beruhe. Bei der Vorstellung, ein Donald Trump könnte Präsident der USA werden, komme er aus dem Gruseln nicht mehr heraus, sagt Muschg.

In Marburg sei er seit 30 Jahren nicht mehr gewesen – „eine Stadt, in die man mitten in der Stadt noch herunterblicken kann“. Vor seiner Lesung hat er die Elisabethkirche besucht, wo er bei seinem letzten Aufenthalt in Marburg nicht gewesen ist. Und auch dort sei ihm das Thema des Verschwindens begegnet.

Bevor er wieder in seine Heimat „verschwand“, nutzten viele der 70 Gäste der Lesung im Café Vetter die Gelegenheit, mit dem Autor ins Gespräch zu kommen und sich ein Buch signieren zu lassen.

  • Adolf Muschg: Die japanische Tasche, C.H.Beck, 484 Seiten, 24,95 Euro

von Nadja Schwarzwäller

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