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Ein Riese aus dem 16. Jahrhundert

Gemälde des „Langen Anton“ Ein Riese aus dem 16. Jahrhundert

Der „Lange Anton“ trägt seinen Namen zu Recht. Er war ein Riese von 2,44 Metern Größe. Ein Bild in Originalgröße, das ihn zeigen soll, ist derzeit im Kunstverein zu sehen. Das Skelett des „Langen Anton“ ist mit rund 400 Jahren das älteste und eines der bekanntesten Exponate der Anatomischen Sammlung der Philipps-Universität.

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Der Restaurator Georg Pracher und die Doktorandin Nina Ulrich wirken klein neben dem „Langen Anton“, der im 17. Jahrhundert in Originalgröße abgebildet wurde.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. Der „Lange Anton“ hieß eigentlich Anton Franckenpoint und lebte im 16. Jahrhundert. Man weiß nicht viel über ihn und sein Leben, und das wenige, was man über ihn weiß, ist seiner beeindruckenden Größe geschuldet: Anton Franckenpoint war 2,44 Meter groß – und das in einer Zeit, als die Durchschnittsgröße bei Männern 1,67 Zentimeter betrug.

Aber auch nach heutigen Maßstäben wäre der „Lange Anton“ ein Riese, wie derzeit im Kunstverein zu sehen ist, wenn man sich neben das Gemälde stellt, das einen 2,44 Meter großen Mann in den Farben des protestantischen Herzogs Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel zeigt, in dessen Diensten er stand.

Gemälde für 15 000 Euro restauriert

Im Kunstverein wird bis zum 9. April ein aufwendig restauriertes Gemälde gezeigt, das den „Langen Anton“ zwar in Lebensgröße zeigt, dessen Proportionen aber nicht stimmen können. So sind etwa die Beine des Porträtierten verblüffend kurz. Das Gemälde ist im Besitz der Anatomischen Sammlung des Philipps-Universität, hing dort viele Jahrzehnte im Treppenhaus und war ziemlich mitgenommen.

Jüngst präsentierten die Kustodin des Museum Anatomicum, Dr. Kornelia Grundmann, die Anatomie-Professorin Birte Steiniger, die Doktorandin Nina Ulrich und der Würzburger Restaurator Georg Pracher das Gemälde, das mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder für 15 000 Euro restauriert wurde.

An einer Wand daneben hängt ein Foto des Skeletts, das im Museum Anatomicum aufbewahrt wird und dessen Transport in den Kunstverein zu gefährlich gewesen wäre. In einer Vitrine zeigen die Ausstellungsmacher den aufgeschnittenen Schädel des Riesenwüchsigen sowie Armknochen des „Langen Anton“ und – zum Vergleich – Armknochen von normal gewachsenen Menschen.

Riese in zwei historischen Flugblättern erwähnt

Die Kombination von Porträt und präpariertem Skelett ist in dieser Kombination „weltweit einzigartig“, betonte Professorin Steiniger vor mehr als 80 Besuchern. Nina Ulrich, die über die Sammlung des Museum Anatomicum forscht, hat zusammengetragen, was man über den „Langen Anton“ weiß: Das Geburtsdatum ist unbekannt. Er sei vermutlich zwischen 1544 und 1561 in Geldern an der niederländischen Grenze geboren worden.

Auf diese beiden Daten kann man durch zwei Flugblätter rückschließen, die über Anton Franckenpoint berichten und deutlich machen, dass er damals eine Kuriosität war. Eines stammt aus dem Jahr 1561. Damals soll er sich als 14-Jähriger in Nürnberg aufgehalten haben und bereits 2,30 Meter groß gewesen sein.

Das zweite stammt aus Straßburg und ist im Jahr 1583 datiert: Der „Lange Anton“ soll damals 39 Jahre alt gewesen sein. Sicherer ist sein Todesdatum: Er wurde am 21. November 1596 in die Anatomie Helmstedt gebracht, wo man sein Skelett präparierte. Das nicht ganz vollständige Skelett kam 1810 nach Marburg, wo es seither aufbewahrt wird.

Wie viel Freiheiten nahm sich der Maler?

Anton Franckenpoint litt an Gigantismus – einer seltenen Krankheit, bei der aufgrund eines Hypophysentumors vermehrt Wachstumshormone produziert werden. Damit verbunden sind äußerst schmerzhafte Veränderungen im Knochenbau. Der vermutlich größte Mensch, der jemals gelebt hat, war der Amerikaner Robert Wadlow, der 2,72 Meter groß wurde.

Das Gemälde, das nach der Ausstellung im Kunstverein wieder an seinen angestammten Platz im Flur des Anatomischen Instituts zurückkehren wird, stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert. Es ist weder datiert noch signiert, wie der Restaurator Georg Pracher betonte. Man weiß auch nicht genau, ob Anton Franckenpoint wirklich so ausgesehen hat oder ob der Maler lediglich einen Riesen in diesen Ausmaßen auf die Leinwand gebracht hat.

Wie Anton Franckenpoint wirklich ausgesehen hat, soll eine forensische Rekonstruktion zeigen, wie man sie aus Thrillern oder Dokumentationen kennt, die im Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum vorgenommen werden soll. Die soll nach Auskunft von Dr. Kornelia Grundmann rund 5000 Euro kosten. Woher die Mittel kommen, ist noch unsicher, denn das Museum hat, wie Professorin Steiniger betonte, „wie alle Uni-Sammlungen massive Finanzprobleme“.

von Uwe Badouin

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