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Ein Raum voller „gebrochener Idyllen“

Kunstverein zeigt Werke von Klaus Lomnitzer Ein Raum voller „gebrochener Idyllen“

2001 hatte Klaus Lomnitzer seine letzte Ausstellung mit dem Kunstverein - damals noch im Foyer der Stadthalle. 12 Jahre später kehrt er in seine Heimatstadt Marburg zurück. Mit einer großen Ausstellung im großen Haus des Kunstvereins. Die Ausstellung wird am Freitag, 27. September, um 18 Uhr eröffnet.

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Ein echter Hingucker: Seinen „tswi“-Block präsentiert Klaus Lomnitzer im Erdgeschoss des Kunstvereins. 48 Bilder – alle im selben Format – ergeben ein Werk.Foto: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Klaus Lomnitzer hat eine lyrische Ader: „das staunen des kleibers über sein dasein als spechtmeise“ hat er seine Ausstellung im Marburger Kunstverein betitelt. Und vielleicht entdeckt der eine oder andere Besucher in den rund 100 Arbeiten, die Lomnitzer mit nach Marburg gebracht hat, Formen, die ihn an einen Kleiber erinnern mögen.

Tatsächlich finden sich in seinen Bildern immer wieder Naturmotive: Zweige, Äste, Sträucher, Spiegelungen in Wasseroberflächen und ganze Landschaften. Daneben tauchen in seinen Arbeiten auch immer wieder Motive auf, die Assoziationen an Architekturen wecken: Häuserfronten oder Glasfassaden, Treppen. Es gibt viel zu entdecken in den Bildern, deren Technik er mit „ähnlich wie Hinterglasmalerei“ umschreibt.

Lomnitzer malt auf transparenten PVC-Folien. Seine Motive trägt er mit Tusche und sehr stark verdünnter Acrylfarbe auf, bis zu 30 Lagen übereinander. Die Bilder entwickeln dadurch eine geheimnisvolle Tiefe, die die oft düstere Stimmung betonen. Vor allem sein „tswi“-Block im Erdgeschoss ist ein echter „Hingucker“: Er setzt sich zusammen aus 48 Bildern im Format 1 mal 1,40 Meter. Lomnitzer begreift den „tswi“-Block als eigenständige, zusammenhängende Arbeit. Der Kunstverein wird Stühle in den Raum stellen, damit der Betrachter in Ruhe eintauchen kann in die riesige Arbeit, die zwei komplette Wände einnimmt und eine regelrechte Sogwirkung etwickelt. „Gebrochene Idyllen“ nennt er diese Szenerien, die auch von Geräuschen inspiriert sein können.

Im Obergeschoss hängen neben Papiercollagen seine „vari“-Arbeiten: Auch deren Motive sind auf PVC-Folien gemalt, können theoretisch mittels Lochstreifen stets neu angeordnet werden. Die Betonung liegt auf dem Begriff theoretisch, denn platziert werden sie von Lomnitzer. „Ich bin der Autor“, sagt er über die Anordnungen. Und der Autor verbittet sich freundlich aber bestimmt jede Veränderung.

Die Ausstellung wird heute um 18 Uhr eröffnet. In das Werk führt der ehemalige Marburger Florian Schwebel ein, ein Freund des Künstlers. Die Ausstellung ist im Kunstverein bis zum 13. November zu sehen.

von Uwe Badouin

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