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Ein Quantensprung für das KFZ

Baustellenbesichtigung Ein Quantensprung für das KFZ

Derzeit wird politisch über die Kosten für das neue Erwin-Piscator-Haus gestritten, weil es deutlich teurer wird als geplant. Aber was bekommt das Publikum für die Millionen? Ein „Hausbesuch“im künftigen KFZ.

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Der große Saal, aufgenommen mit einem „Fischauge“, das die Perspektiven verzerrt. Rechts sieht man die fest installierte Bühne, die jederzeit erweitert werden kann, links wird die Bühnentechnik angeliefert. Im Hintergrund ist die Empore zu sehen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Gero Braach, Sabine Welter und Matthias Wussow vom KFZ zeigen der OP ihr künftiges Reich. Helm auf und hinein in die Baustelle: Überall hängen Kabel von den Decken, liegen Lüftungsrohre aus Edelstahl. Man hört den Lärm von Baumaschinen. Wer einmal den Rohbau eines Einfamilienhauses gesehen hat, potenziert seine Eindrücke einfach, denn das Erwin-Piscator-Haus ist eine Großbaustelle.

Es wird weiter gebaut, doch es lässt sich schon erahnen, welches Gesicht das neue KFZ in der Stadthalle Marburg bekommen wird.

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Seit mehr als zwei Jahren wird abgerissen, entkernt, ausgeschachtet, werden Stahlträger eingezogen und Beton gegossen, Fenster eingebaut und Kilometer um Kilometer Kabel und Lüftungsrohre verlegt. Sanierung, Umbau, Neubau - es ist eine komplizierte Baustelle. Unterdessen stiegen die Preise: von ursprünglich kalkulierten 28,7 Millionen Euro auf 35,6 Millionen Euro - eine Steigerung um 25 Prozent (die OP berichtete). Und in der Politik wird bereits kräftig gestritten. Die CDU zieht Vergleiche mit dem Berliner Pannenflughafen, dessen Kosten von rund einer auf fast sechs Milliarden geradezu explodierten.

Das Foyer ist fast so groß wie das alte KFZ

Blickt man von außen auf die Baustelle im Herzen der Stadt, gewinnt man schon einen Eindruck vom künftigen Zentrum der Stadtgesellschaft. So hat der scheidende Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) das Prestigeobjekt bezeichnet. Das Erwin-Piscator-Haus soll viele Funktionen erfüllen: Veranstaltungssaal für Gastspiele und das Landestheater, die Marburg Tourismus und Marketing GmbH wird einziehen, die benachbarte Martin-Luther-Schule dort Räume bekommen.

Große Fensterfronten ziehen sich über die Seite, die der Biegenstraße zugewandt ist. Und eingegraben in die Erde rechts neben dem Haupteingang ist der Kulturladen KFZ, Marburgs dienstältestes soziokulturelles Zentrum. Der heimelige 70er-Jahre-Begriff „Kulturladen“, der ein wenig an den kleinen Tante-Emma-Laden von nebenan erinnerte, wird das neue KFZ nicht mehr treffend umschreiben. Der Umzug wird ein Quantensprung für das KFZ, dessen Anteil an den Gesamtkosten bei rund 4,8 Millionen Euro liegt. Dafür gibt es ein hochmodernes Kulturzentrum.

Im Foyer gibt es eine große Theke

Wer über die noch verhüllte Treppenlandschaft vor dem KFZ hinabsteigt, betritt ein großzügiges Foyer mit einer großen Theke, das fast die Abmessungen des heutigen KFZ in der Schulstraße hat. Dort gibt es auch eine Garderobe - wer einmal im Winter ein Konzert im KFZ in dicken Jacken besucht hat, wird diesen „Luxus“ schätzen lernen.

Vom Foyer aus erreicht man mit einem Fahrstuhl oder über eine Treppe die Stadthallen-Ebene. Vom Foyer aus geht es auch in die zwei Säle des neuen KFZ: in den Clubraum, der mit 110 Quadratmetern nur unwesentlich kleiner ist als das jetzige KFZ (133 Quadratmeter), dafür aber deutlich niedriger.

In den großen Saal passen ganz bequem 600 Besucher

Und in den großen Saal, von dem heimische Rock- und Popfans schon seit Jahren träumen. Er soll bis zu 340 Zuschauer bestuhlt fassen und 600 unbestuhlt, erklären die KFZ-Geschäftsführer Braach und Welter. 600 Zuschauer wurden nach der Veranstaltungsstätten-Verordnung berechnet. Wer den Saal mit seiner großzügigen Empore einmal betreten hat, der ahnt: 600 Menschen passen dort sehr bequem hinein. Der Saal enthält eine feste Bühne, die mit mobilen Elementen erweitert werden kann, einen Technikraum und eine kleinere Saal-Theke. Er wird ausgestattet mit einer neuen Musik- und einer neuen Lichtanlage, die jetzige KFZ-Anlage geht in den Clubraum.

Daneben gibt es weitere Räume, die mit dafür sorgen werden, dass das KFZ künftig in einer anderen Liga spielen wird: Räume für Künstler und Bands, einen Multifunktionsraum, vier helle Büros, einen Aufzug für das Bühnen-Equipment, das die Musiker selbst mitbringen.

Städtischer Zuschauss wächst auf 297500 Euro

Jede Menge Platz also für Kultur, die ein Standortfaktor werden wird im Wettbewerb der Universitätsstädte. Vor allem dann, wenn die Studierendenzahlen wieder sinken werden.

Doch wann geht es los, und mit wem? Im Dezember sollen die Schlüssel übergeben werden, dann folgt der Umzug und die lange Testphase. Zuletzt war der Mai als Eröffnungstermin im Gespräch. „Bevor wir nicht wissen, wann es losgeht, können wir niemanden buchen“, sagt Matthias Wussow, zuständig für das Musik-Booking. Auch sonst hält er sich noch bedeckt.

Mit der Erweiterung verbunden ist auch eine deutliche Erhöhung des städtischen Zuschusses - von 165000 Euro auf 240000 Euro in diesem Jahr und 297500 im kommenden Jahr. Ob das reicht, ist offen. Eine Expertise des KFZ geht von einem höheren Zuschussbedarf aus. Dafür gibt es dann bis zu 300 Veranstaltungen pro Jahr.

von Uwe Badouin

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