Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Ein Poet mit Hang zum Skurrilen

Lesung mit Lars Ruppel Ein Poet mit Hang zum Skurrilen

„Ich bin ein Pinguin!“ Der dreimalige deutsche Poetry-Slam-Meister Lars Ruppel dichtete am Mittwochabend wild drauflos und machte seine vielen Fans im proppenvollen KFZ rundum glücklich.

Voriger Artikel
Kunstverein präsentiert „Hörwelten“
Nächster Artikel
Der Kabarettherbst wird volljährig

Dichter aus Leidenschaft: Entspannt winkt Lars Ruppel dem Publikum zu während er aus seinem Buch „Holger, die Waldfee“ rezitierte.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Schon Tage vorher war die Vorstellung im alten KFZ ausverkauft. Am Mittwoch saßen die Leute dann dicht an dicht wie die Ölsardinen, einige hockten sogar auf der Bühne. Kaum tauchte Lars Ruppel auf, lässig, locker und sympathisch, lag das Publikum ihm schon zu Füßen. Kein Wunder, denn dieser Mann ist ein leidenschaftlicher Sprachkünstler und ein begnadeter Alleinunterhalter zugleich.

„Ich kenne mich nur mit drei Dingen aus“, verriet Ruppel. „Mit Slam Poetry, mit meinem Leben und mit Borussia Dortmund.“ Schon mit acht Jahren habe er angefangen zu dichten, so Ruppel weiter, dann sei er als Provinz-Dorf-Punk mit Tonsur und Holzkrawatte in seinem hessischen Heimatdorf herumgelaufen, bis er bei seiner ersten Poetry-Slam-Meisterschaft mitgemacht hat. Danach wusste er: Ich will Dichter werden.

„Wer sind eigentlich diese Pappenheimer?“

Kurze Zeit war Ruppel als Zivi in Marburg, dann reiste er als Dichter durch die Welt und veranstaltet Poetry-Slams „im Sudan, in Indien, in Russland und in Biedenkopf“. Irgendwann ist er dann auf Redensarten gestoßen und hat sich gefragt: „Wer sind eigentlich diese Pappenheimer? Und wer kennt die Hempels und ihr Sofa?“.

Daraus ist dann das Buch „Holger, die Waldfee“ entstanden, aus dem er am Mittwoch das Gedicht „Die Kuh vom Eis“ rezitierte. Darin geht es um eine gruselige Kuh aus Eis, die zunächst nur den Kindern Angst macht. Irgendwann taucht sie dann bei der „Bild“-Zeitung auf, um fortan überall in Deutschland Angst zu verbreiten. Am Schluss heißt es prophetisch: „Es gibt viele, die von der Angst profitieren.“

Aus „Holger, die Waldfee“ stammte auch das schräge Gedicht „Heide Witzka“. Es beschreibt eine verbitterte Frau, die aus Frust „Gänseblümchen-Babys tot tritt“ und kleine Hunde an die Wand wirft. Erst als sie den Clown ihres Herzens trifft und bei ihm ein Witz-Training absolviert, wird Heide Witzka geheilt.

Träger des Historischen Stadtsiegels

In diesem Zusammenhang erzählte Ruppel von seiner heilsamen Arbeit mit Demenzkranken und seinem Weck­worte-Projekt zur Schulung von Pflegekräfte. In Marburg wurde er für diese Arbeit mit dem Historischen Stadtsiegel ausgezeichnet.

Die Sprache liegt Lars Ruppel sehr am Herzen, das zog sich wie ein roter Faden durch den ganzen Abend. Er konnte sich begeistern für sprechende Worte wie Hund („ein bellendes Wort“), Ruhe („eine wörtliche Hängematte“) oder Schokolade („ein sabberndes Wort“).

Darüber hinaus zeigte er dem Publikum seine Tricks beim Vortragen von Gedichten. Wichtig sei dabei auch die Motivation, erklärte Ruppel und ließ die Zuhörer sogleich seine ganz spezielle Formel mitsprechen: „Ich bin müde, ich bin ein Pinguin, ich kann gar nichts!“ Und weiter empfahl er: „Merken Sie sich das für ihr nächstes Vorstellungsgespräch!“

Am Schluss des zweistündigen Abends waren die Zuschauer restlos begeistert und wollten gar nicht mehr aufhören zu klatschen. Erst nach zwei Zugaben durfte Lars Ruppel von der Bühne gehen.

von Bettina Preussner

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr