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Ein Orchesterkonzert mal anders

Kinderkonzert beim Konzertverein Ein Orchesterkonzert mal anders

Mit Tschaikowskys „Winterträume“ hatte die Junge Marburger Philharmonie eine schöne Sinfonie für das Kinderkonzert ausgesucht. Aber wer meinte die Kinder müssten einfach nur still zuhören, der hatte sich geirrt.

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Die sechsjährige Helena Born probierte den großen Kontrabass aus. Foto: Mareike Bader

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Erst ging es ganz normal los. Die Kinder hatten sich in ihre Stühle gelümmelt, ein paar hatten sogar ihre Kuscheltiere dabei. Viele hatten sich auf den Schoß von Papa oder Mama gesetzt - das war ganz praktisch, denn so konnte man besser auf die Bühne sehen oder mal leise was nachfragen und gleichzeitig kuscheln. Auf der Bühne fingen die Streicher an zu summen, die Querflöte spielte fein dazu und die anderen Instrumente stimmten mit ein. Die meisten Kinder hörten konzentriert zu und wackelten vielleicht ein bisschen zur Musik. Dann hörte das Orchester aber ganz plötzlich auf zu spielen.

Dirigent Martin Gärtner begrüßte das junge Publikum. Schon beim letzten Kinderkonzert war er der Moderator, seit Herbst letzten Jahres ist er Dirigent der Jungen Marburger Philharmonie und trat am Sonntag in Doppelfunktion auf - als Dirigent und Moderator. Er erklärte, was eine Sinfonie ist und was sich der Komponist beim Komponieren denkt. Der überlegt sich nämlich eine Melodie - ein Thema, das dann von den verschiedenen Instrumenten gespielt wird. Also wurde der Anfang des ersten Satzes noch einmal gespielt und die Kinder sollten sagen wer das Thema gespielt hat. Als erstes wurden die Geigen genannt. Die spielten zwar auch, aber sie bildeten nur einen Klangteppich als Begleitung. Das sei wie der Hintergrund bei einem Bild, erklärte Martin Gärtner. Dann wurde korrekt die Querflöte genannt, das Fagott wurde erst im zweiten Anlauf erkannt.

Publikum hickst zu Strawinsky

Dann kam das zweite Thema dran. Martin Gärtner versah es mit einem kleinen, einfachen Text und schon konnte man es mitsingen. Erst sangen vor allem die Eltern, als das Orchester mitspielte schallte es aber aus den vielen Kinderkehlen. Gut eingeprägt war es dann nicht mehr so schwer die zwei Themen in der Sinfonie auseinanderzuhalten.

Wie beim ersten Satz begleitete Martin Gärtner auch den zweiten und dritten Satz von Tschaikowskys 1. Sinfonie mit vielen bildhaften Erklärungen. Beim dritten Satz erläuterte er, was ein Dirigent überhaupt macht. Laura Neßer und Frederick Oliver durften zu ihm auf die Bühne und selbst vor das Orchester treten. Erst etwas vorsichtig, kreiste Frederick dann mit großem Bogen den Dirigentenstock, damit das Orchester schön laut spielte.

Zum Schluss kam Igor Strawinksys Hochzeitstanz aus seinen „Norwegischen Impressionen“ dran, dessen Walzer eher klingt, als ob die Tänzer etwas torkeln würden, so Gärtner. Den schwierigen Rhythmus ließ Gärtner vom Publikum vorführen. Für die eine Seite hieß das: „Sonnenschein, Sonnenschein, hicks“ - für die andere: „Marmelade, Marmelade, Marmelade, hicks“.

Nach dem Konzert konnten die Kinder auf der Bühne und im Foyer die verschiedenen Instrumente selbst ausprobieren. Besonders der große Kontrabass zog viele neugierige Gesichter an. Und nach anfänglichem Zögern wurde bald kräftiger auf den Saiten hin und her geschrubbt. Es war ein toller und gelungener Nachmittag für alle Altersklassen.

von Mareike Bader

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