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Ein Muslim lernt Deutschland lieben

Mohammed Khallouk entdeckt Marburg Ein Muslim lernt Deutschland lieben

Mohammed Khallouk ist „In Deutschland angekommen“ und hat darüber das gleichnamige Buch geschrieben. Es ist auch eine Liebeserklärung an Marburg und die deutsche Demokratie.

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Der Autor Mohammed Khallouk (Mitte) präsentiert sein Buch gemeinsam mit seiner Frau Nisrin und dem Hörbuchsprecher Jan Hagedorn.Foto: Uwe Badouin

Marburg. Was war das für ein Sprung, als Mohammed Khallouk vor 16 Jahren den Weg von Marokko nach Deutschland nahm. Zumal der heute 41-Jährige seit seinem 13. Lebensjahr erblindet ist. Der Nordafrikaner kommt in der Universitätsstadt Marburg an, der Muslim im christlich geprägten Deutschland.

Khallouk, der in seiner Heimat Arabistik und Islamwissenschaften studiert hatte, kam in das Land der Dichter und Denker, um weiter zu lernen: Heute ist er promovierter Politologe und arbeitet an seiner Habilitation an der Bundeswehruniversität in München.

Zwei Jahre lang hat er an seinem Buch „In Deutschland angekommen. Marburg“ geschrieben. In 76 Fragmenten, wie er seine kurzen Kapitel nennt, beleuchtet er schlaglichtartig aus seiner Sicht diese für ihn neue und anfangs oft unverständliche Welt. Der Leser begleitet ihn auf seinen Streifzügen durch die Stadt, die er in der dritten Person aus Sicht eines Sehenden schildert, der sich intensiv mit der Geschichte der Stadt beschäftigt hat.

„Für Kunst hatten die Marburger fast ihre gesamte Stadtgeschichte hindurch ein offenes Auge. Man erkannte den Künstler und achtete sein Werk“, schreibt er nach einem Besuch der Elisabethkirche. Dann ergänzt er mit Blick auf den Richtsberg und die PhilFak: „Erst in den 60er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts ging der Geschmack wieder verloren.“ Die Gaffiti stören ihn, den Kult um Behring dagegen kann er nachvollziehen, stehe er doch für das, was die Stadt heute auszeichnet: für „rationale Wissenschaft“. Nicht alles, was Mohammed Khallouk schreibt, wird Marburgern gefallen. Sein Blick auf die Frauen ist der eines Moslems, also eher irritierend. Und doch gibt es viele Momente in dem Buch, die aufhorchen lassen: Betrachungen einer Stadt, die Marburger so schon gar nicht mehr wahrnehmen, weil sie zu alltäglich erscheinen. Und Khalouks Glaube an die deutsche Demokratie. Marburg ist nicht zuletzt deswegen für ihn zur Heimat geworden, auch weil hier die Menschenrechte geachtet würden, betont er im Gespräch.

Khallouk hat in Marburg geheiratet, seine drei Kinder wachsen hier auf. Er ist inzwischen Teil dieser Stadt, habe die „Chancen genutzt, „die eine demokratische Gesellschaft bietet“. Sein Buch soll auch dazu dienen, den Dialog zwischen Muslimen und Christen zu fördern. Und an seine Glaubenbrüder gerichtet, meint er: „Muslime müssen zeigen, dass sie dialogfähig sind.“

Der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten (DVBS) hat eine Hörfassung des Buches lesen lassen. Das im Rimbaud-Verlag erschienene Buch ist dort inklusive CD zum Preis von 15 Euro erhältlich: DVBS-Textservice, Frauenbergstraße 8, 35039 Marburg, Telefon 06421/9488822.

Im Handel kostet das Buch 15 Euro.

von Uwe Badouin

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