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Ein Mozart-Pianist par excellence

Georg Kjurian und Cappella Istropolitana Ein Mozart-Pianist par excellence

Nach drei Spielzeiten im Ausweichquartier Audimax kehrte der Konzertverein am Sonntag zurück in sein Stammquartier – 550 Zuhörer erlebten Musik vorwiegend aus der Zeit der Wiener Klassik.

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Nach drei Jahren Pause kehrte der Marburger Konzertverein mit der Cappella Istropolitana wieder in sein Stammhaus zurück.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Musikfreunde hatten das Audimax in den zurückliegenden drei Spielzeiten schätzen gelernt – vor allem wegen seiner hervorragenden Akustik, die jene der alten Stadthalle übertraf.

Deshalb war für viele der 550 Konzertbesucher am Sonntag die spannendste Frage: Hat der notwendige, nach und nach zunehmend teurer gewordene Umbau des Erwin-Piscator-Hauses auch zu einem besseren klanglichen Ergebnis für klassische Konzerte geführt?

Über die nüchterne Flugplatzhallen-Atmosphäre des Foyers mit seinen dem demografischen Wandel zuwiderlaufenden steilen Betontreppen darf weiter gestritten werden. Was jedoch die Rahmenbedingungen für den Musikgenuss betrifft, muss nach dem Konzert mit der Cappella Istropolitana konstatiert werden: Ja, die grundlegende Neugestaltung des großen Saals hat sich gelohnt.

f-Moll kann auch heiter sein

Das 1983 in der slowakischen Hauptstadt Bratislava gegründete Kammerorchester eröffnete und beschloss sein Programm, in dem die Wiener Klassik dominierte, mit Sinfonien in der schicksalsschwangeren Tonart f-Moll, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Während Joseph Haydn in seiner 1768 komponierten Nummer 49 (von insgesamt 104) den dramatisch-düsteren Ton nur ein einziges Mal verlässt, im bläserdominierten F-Dur-Trio des Menuetts, zeigte sein Schüler Ignaz Josef Pleyel 18 Jahre später, dass f-Moll-„Leidenschaft“ („La passione“, wie Haydns Sinfonie von fremder Hand übertitelt wurde) auch vorwiegend heiter daherkommen kann.

Unter der anfeuernden, aber auch für Zwischentöne sensiblen Leitung ihres Konzertmeisters Robert Marecek ließen die 19 Musiker alle Aspekte des viel gespielten Haydn-Meisterwerks, aber auch der durchweg hörenswerten Pleyel-Ausgrabung faszinierend Klang werden.

In den beiden anderen Werken des Abends pausierten die Bläser. Zunächst musizierten Marecek und seine Elitestreicher als ideale Kammermusikpartner mit dem 1994 in Riga geborenen Pianisten Georg Kjurian. Er war kurzfristig für den Koreaner Da Sol eingesprungen, den laut Konzertverein bürokratische Probleme am Flughafen Seoul-Incheon gehindert hatten, rechtzeitig nach Deutschland zu fliegen.

„Ein bisschen Brahms“ rundet den Abend ab

Kjurian erwies sich als Glücksfall. So wie er hat möglicherweise Wolfgang Amadeus Mozart selbst 1783 in Wien sein C-Dur-Konzert KV 415 gespielt: garniert mit augenzwinkernden Blick-Kontakten zum Publikum, als zusätzlicher Hinweis auf besonders originelle 
Stellen in dem darin fürwahr nicht armen Meisterwerk.

Der 22 Jahre junge lettische Pianist ist ein Mozart-Spieler par excellence: Die virtuosen Figurationen ließ er mühelos perlen. Im liedhaften F-Dur-Andante zeigte er bei aller effektvoll genutzten solistischen Selbstdarstellung auch die Qualitäten eines empfindsam gestaltenden Sängers auf den schwarz-weißen Tasten. Noch mehr gilt dies für die expressiven c-Moll-Adagio-Einschübe im ansonsten quirlig vorwärtsdrängenden Rondo-Finale.

Um das Glück zu vervollkommnen, bedankte sich Kjurian für den Applaus mit „ein bisschen Brahms“, wie er ankündigte: dem wundervoll traumverloren erklingenden A-Dur-Intermezzo aus Opus 118.

Die Cappella Istropolitana unternahm noch einen Ausflug ins 20. Jahrhundert und nach Großbritannien, indem sie sich mit Lust der effektvollen, auf Volkstänzen und -liedern basierenden „St. Paul’s Suite“ von Gustav Holst, dem sinfonischen „Planeten“-Schöpfer, widmete.

Zwei Volksliedern ihrer slowakischen Heimat galt ihre zweite Zugabe, ohne die das begeisterte Publikum die sympathischen Musiker nach dem Finale aus Mozarts A-Dur-Sinfonie Nr. 29 nicht gehen lassen wollte.

von Michael Arndt

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