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Ein Menschenleben für die Madonna

Neu im Kino: The Monuments Men Ein Menschenleben für die Madonna

Das konnte George Clooney nicht ahnen: Sein Film „The Monuments Men“ stößt in ein mediales Wespennest - mitten in die aktuelle Debatte um NS-Raubkunst und die Sammlung Gurlitt. Der Film war am Mittwoch als OP-Vorpremiere zu sehen. das Urteil der Besucher: sehenswert.

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Die Monuments Men Sam Epstein (Dimitri Leonidas, von links) Frank Stokes (George Clooney), Walter Garfield (John Goodman), Preston Savitz (Bob Balaban) und James Granger (Matt Damon) retten im Zweiten Weltkrieg Kulturgüter vor der Zerstörung.Foto: Twentieth Century Fox

Quelle: Twentieth Century Fox

Marburg. Als Anführer eines Trupps von Museumsleuten zieht George Clooney in den Zweiten Weltkrieg, sein Kinoheld rettet Michelangelos Brügger Madonna und noch ein paar Tausend Meisterwerke mehr. Das Weltkriegs-Drama hatte bei der Berlinale Premiere. Für Clooney, Matt Damon, Bill Murray, John Goodman und Jean Dujardin war der Auftritt gewissermaßen eine Rückkehr: Ihr Film ist zu großen Teilen im Studio Potsdam-Babelsberg entstanden.

Der Kunsthändler Hildebrandt Gurlitt wurde 1945 tatsächlich von den Kunstfahndern der Spezialeinheit „Monuments, Fine Arts and Archives Section“ vernommen – auch wenn das im Film nichts zur Sache tut. Gurlitt war Pariser Chefeinkäufer der Nazis für das geplante „Führermuseum“ in Linz – und das taucht im Film auf: Die Kamera schwebt über ein gigantisches Architekturensemble. Es handelt sich um ein Modell. In einer Ecke des Saals steht in schemenhaftem Licht eine bekannte Gestalt: Adolf Hitler bewundert das in seiner Heimatstadt geplante Museum, in dem die geraubten Kunstschätze Platz finden sollen. Hitler hatte den Befehl gegeben, die Kulturgüter im Falle seines Todes zu zerstören. Es ist einem kleinen Trupp von Museumsleuten zu verdanken, dass viele bewahrt blieben. Dieser genauso skurrilen wie heldenhaften Truppe setzt Clooney nun ein Denkmal. Sein Film ist jedoch ein allzu braves, seltsam altmodisches Kostümstück, das der üblichen Hollywood-Dramaturgie gehorcht – und gerade deswegen enttäuscht.

Das beginnt schon damit, wie Monument Man Frank Stokes (Clooney) seine Mitstreiter anheuert. So ähnlich haben bereits die Blues Brothers ihre Band zusammengetrommelt. Mit Buddy-Filmen kennt sich Clooney seit der „Ocean‘s“-Reihe ja aus. Immer wieder streut er komödiantische Bezüge ein – und muss sich dann umso mehr um den Ton fürs Heroische mühen.

Es bleibt sogar Zeit für den Hauch einer Romanze: Museumsmann James Granger (Matt Damon) trifft in Paris auf eine aparte, wenn auch als graue Maus gekleidete Französin (Cate Blanchett), die die Jäger der geraubten Schätze auf die richtige Spur bringt. Aber auch dieses Rendezvous verläuft bedenklich unerotisch.

Stout und Co sollen Chagalls und Picassos retten, während um sie herum Menschen sterben. Ja, sie werden selbst in die Kämpfe hineingezogen. Ein britischer Kollege wird erschossen beim Versuch, Michelangelos Madonna in Brügge zu retten. Ist eine noch so kostbare Madonna ein Menschenleben wert? Diese Frage stellen sich die Kunstretter und beantworten sie in pathetischen Sätzen mit ja.

Clooney veranschaulicht, woher viele der Schätze stammen: Einmal bringt Granger ein Gemälde in eine leerstehende Wohnung zurück, deren jüdische Besitzer deportiert wurden, und hängt es wieder an die Wand – das ist mal eine starke Szene, weil sie das Grauen im Absurden zeigt. Ein anderes Mal taucht Stokes seine Hand in ein Fass voller Goldbröckchen – es handelt sich um Zahngold.

Man muss dem Regisseur bescheinigen, dass er alles daransetzt, der Historie Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Doch gerade diese pädagogische Rundumabsicherung verhindert, dass der Film zu einem berührenden Heldenepos wird.

von Stefan Stosch

Zuschauermeinungen:

„Irre Geschichte, die erzählt werden musste; ein paar dramaturgische Längen; tolle Schauspieler. Im Ganzen: super!“

Achim Ludwig aus Marburg

„Ein sehr wichtiger Film zur Vergangenheit.“Helga Allmaras aus Marburg

„Typisch Hollywood, aber sehenswert.“

Christione Ried aus Amöneburg

„Für Kunstliebhaber das, was für Fantasy-Fans ,Der Herr der Ringe‘ ist.“

Christian Freiling aus Fruiedensdorf

„Kommt nicht in Schwung und stellenweise sehr pathetisch.“Sarah Hakelberg aus Dautphetal

„Super klasse Film.“Sandra Otto aus Marburg

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