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Ein Mann spuckt Gift und Galle

Kabarett-Veteran Wilfried Schmickler Ein Mann spuckt Gift und Galle

Für bissige Monologe in der Kabarett-Sendung „Mitternachtsspitzen“ ist Wilfried Schmickler bekannt. Am Samstag begeisterte der Rheinländer 320 Zuschauer im ausverkauften KFZ.

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Wilfried Schmickler gastierte im KFZ.

Quelle: WDR

Marburg. Das erste Kriterium, um 
als Unesco-Weltkulturerbe anerkannt zu werden: „Die 
 Güter stellen ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft dar.“ Zu dem illustren Kreis kultureller Schaffenskraft zählt seit 2014 auch der Kölner Karneval. Für Wilfried Schmickler eine Farce. Er meint zu wissen, wovon er redet. Denn er ist Wahl-Kölner.

Für den 51-Jährigen ist die Sache klar: Der Turm ist gerade, aber die Welt steht schief. Dass ein „stumpfsinniges Massenbesäufnis“ wie der Kölner Karneval ins Pantheon bedeutender Kulturerzeugnisse aufgenommen werden könne, spotte dem gesunden Menschenverstand. Doch die Ratio sei ohnehin auf dem absteigenden Ast. Dafür ist vor allem die virtuelle Welt namens Internet, in der sich laut Schmickler die Realität in Wohlgefallen auflöse, verantwortlich.

Gute Laune mit Lyrik

Doch nicht nur wegen dem Aufmarsch von Bits und Bytes spuckt der Kabarettist Gift und Galle. Auch die Flüchtlingsdebatte, die von AfD und Co. mit „Herrenmenschen-Hybris“ verseucht werde, darf im politischen Kabarett des Jahres 2016 nicht zu kurz kommen.

Was will Schmickler? „Gute 
Laune. Denn Gründe für schlechte Laune gibt es eh zu viele!“ Das schafft er auch mit Lyrik. Gerade wenn sich der 
 Kabarett-Veteran an Reim und Versmaß macht, schimmert seine künstlerische Brillanz 
durch.

Auch seine Songs mit raffinierten Texten kommen beim Publikum gut an, wie etwa sein bitterböses Lied über den „Garten Eden“ als VIP-Klub, in dem sich die Reichen und Schönen die faulen Äpfel zuwerfen. Slapstick-Charakter haben hingegen Schmicklers Tanzkünste. 
Mal will er mit Hüftschwung bezirzen, mal legt er einen Mini-Moonwalk á la Michael Jackson hin.

Zum Glück nimmt sich der Leverkusener dabei nicht zu ernst. Die scharfsinnigen Analysen des Treibens auf der politischen Weltbühne, die Schmickler für gewöhnlich im Fernsehen bei der Kabarett-Show „Mitternachtsspitzen“ serviert, kommen allerdings in „Das Letzte“ etwas zu kurz.

von Benjamin Kaiser

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