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Ein Mann mit vielen Talenten

Dietrich Faber in der Waggonhalle Ein Mann mit vielen Talenten

Wofür braucht ein Krimiautor Klavier, Banjo, Cowboy-Hut und mehrere Gitarren? Um sein Buch und die Charaktere stilecht zum Leben zu erwecken und 200 Fans in Marburg zu begeistern.

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Dietrich Faber macht aus seinen Lesungen eine Show. Seine Fans wissen das und kommen in Scharen.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Eigentlich hat Dietrich Faber ja mal wieder einen Krimi geschrieben. Um den geht es aber bei seiner Lesung genau genommen nur am Rande. Und wo wir schon dabei sind, es genau zu nehmen: Der Begriff „Lesung“ ist definitiv zu kurz gefasst für das, was die Besucher geboten bekommen.

„Buch-Show“ nennt Faber seine Auftritte selbst – „Kabarett, Comedy, Musik und Lesung in einem“. Show wird dem Publikum dabei in der Tat jede Menge geboten. Besonders umjubelt: Die musikalischen Einlagen von Manni „the cruiser“ Kreutzer.

Manni ist Sänger der Band „The Overhesse“, in der Kommissar Henning Bröhmann spielt, und die Figur hat es aus Fabers Buchseiten hinaus inzwischen zu beachtlichem lokalem Ruhm und einer eigenen CD gebracht. (Wirklich.) Einer, der vogelsbergerisch das „R“ rollt, von „Emotionalismus“ und „Bodenverhaftung“ spricht und Kreislaufschmerzen hat.

Zeitsprünge und Ortswechsel auf den Mars

Die Vorliebe des Autors für skurrile bis aberwitzige Typen ist offensichtlich und wird auf der Bühne von ihm hemmungslos ausgelebt. Warten Sie mal, bis er in die Rolle von Mannis neuer Freundin „Hessi“ schlüpft, wenn sie sich an „Summertime“ versucht.

Aber zurück zum Krimi. Bröhmann ermittelt doch wieder – so lautet auch der Untertitel von „Schneller, weiter, toter“, dem vierten Fall von Kommissar Henning Bröhmann. Der eigentlich gar kein Kommissar mehr ist, nachdem er den Dienst in Alsfeld quittiert hat. Dietrich Faber springt vier Jahre nach vorn in der Zeit (48, behauptet er zu Beginn der Veranstaltung, und die Handlung spiele jetzt auf dem Mars – „kleiner Scherz“). Es sei viel passiert und Bröhmann jetzt so alt wie er selbst.

Unter anderem sind Frida und Nick passiert, doppelter Nachwuchs, während die älteste Tochter Melina inzwischen bei der Bereitschaftspolizei in Frankfurt arbeitet. Dort ist auch der eigentliche Kriminalfall angesiedelt.
Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet bewerben sich für Olympia 2024, ein Sportfunktionär ist auf dem Römer erschossen worden, und Melina sitzt tatverdächtig in Untersuchungshaft.

Den eigentlichen Krimi-Plot lässt Faber „relativ gnadenlos außen vor“ bei seinen Lesungen, wie er erklärt. Dafür spielen die Figuren die entscheidende Rolle und er spielt die Figuren. Faber stellt Melinas Gespräch beim Psychologen nach, gibt Handwerker-Ingo und Anarcho-Olaf und lässt Hessi über den Laufsteg stöckeln.

Schmerzfreier Cowboy

In einer Einkaufsgalerie in Gießen übrigens – der Stadt, in der der Autor mit seiner Familie lebt. Das sei offenbar immer schon ein Lacher an sich, fragt Dietrich Faber angesichts der Reaktion des Publikums nach. Zusammen mit „Dirty Harry“ und „Django Bonanza“ (Michael Harries und Tim Potzas) tritt er in der Paraderolle als Manni, der „lone‑
some Wolf“ auf.

Dass ein Cowboy keinen Schmerz kennt, dürften wir angesichts des gleichnamigen Songs, in dem Manni „Männergripp“ hat und Bonbonsche für die Bronsche lutscht, getrost als Gerücht verbuchen. Dietrich Faber aber ist dabei schmerzfrei. Nicht umsonst ist er nicht nur Autor, sondern viel länger schon Kabarettist. Als ein Teil des Duos „Faberhaft Guth“ kannte man ihn auch in Marburg bereits; als Autor debütierte er 2011.

Gleich der erste Fall von Henning Bröhmann schaffte es auf die Spiegel-Bestseller-Liste, und inzwischen ist der Autor offizieller Botschafter der Regionen Mittelhessen und Oberhessen sowie Preisträger des Wetzlarer Kulturpreises 2015.

Und wer ihn dieses Mal verpasst hat, kann ihn im April noch einmal live in der Waggonhalle erleben. Und sicher ist die Show wieder ausverkauft.

von Nadja Schwarzwäller

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