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Ein Märchen wird erwachsen

AMV Fridericiana Ein Märchen wird erwachsen

Die Theatergruppe der AMV Fridericiana schickt ihr Publikum mit Alice ins Wunderland. Aber dieses Wunderland hat es in sich: „Alice D.“ spielt in einer Psychiatrie.

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Tee trinken und abwarten: Die Grinsekatze und der Hutmacher gehen das Abenteuer im Wunderland entspannt an.

Quelle: Lena Liebau

Marburg. „Du musst das Spiel würzen, damit es lebenswert wird“, sagt die Grinsekatze zu Alice. Und so würzt die Theatergruppe der Akademisch-Musikalischen Verbindung (AMV) Fridericiana Marburg „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll und bringt es in einer Weise auf die Bühne, wie man es noch nie gesehen hatte: Weiße Wände statt buntem Wunderland, mordlustige Gestalten statt freundlicher Wesen. Am Donnerstag war Premiere.

Die kaugummikauende und nagelfeilende Krankenschwester, die das Geschehen überwacht, verrät dem Zuschauer, wo man sich befindet: nämlich in einer Psychiatrie. Das Wunderland findet nur im Kopf der Protagonistin „Alice D.“ statt, die dem Theaterstück ihren Namen gibt. Mit altbekannten Figuren wie dem Hutmacher, der Grinsekatze und dem Weißen Kaninchen macht sich Alice, gespielt von Helene Kuch, auf den Weg, das Wunderland von der Schreckensherrschaft der Roten Königin zu befreien: „Wir werden nicht länger abwarten und Tee trinken.“

Doch ein Happy End gab es nicht. Stattdessen landet das Kaninchen im Kochtopf, und auch die Grinsekatze überlebt die Reise nicht. Selbst im Sterben grinst sie noch. Diese Momente zeichnen sich nicht nur durch die bemerkenswerte Leistung der Laien-Darsteller aus, sondern auch durch beeindruckende Licht- und Toneffekte, die das Geschehen noch intensiver wirken lassen und der klinisch weißen Bühne neuen Charakter verleihen.

Neue Adaption macht Publikum neugierig

Regisseur Mathis Lohmann hat das Bühnenwerk selbst umgeschrieben und lässt das Kindermärchen ein Stück weit erwachsen werden. Die Idee dazu kam ihm durch ein Computerspiel. „Der Gedanke, das Stück in einer Psychiatrie spielen zu lassen, liegt eigentlich nahe“, erklärt er. Denn auch in der Romanvorlage existiert das Wunderland nur im Kopf der Hauptfigur.

Die neue Adaption hat das Publikum offensichtlich neugierig gemacht, denn die Premiere im Haus der AMV Fridericiana war ausgesprochen gut besucht. Am Ende gelingt es der Roten Königin, ihre Kritiker auszuschalten und die Ordnung im Wunderland wieder herzustellen. „Die verschiedenen Hindernisse, auf die Alice stößt, interpretiere ich als die Anforderungen, die die Gesellschaft an Alice stellt und denen sie mental einfach nicht gewachsen ist“, erklärt Maya Triepolt, die Darstellerin der Roten Königin.

Regisseur Mathis Lohmann ergänzt, dass die Schauspieler, die an der Entwicklung des Stückes maßgeblich beteiligt waren, unterschiedliche Interpretationsansätze haben. „Man muss das Stück einfach öfter sehen, um sich eine Meinung zu bilden“, sagt er und grinst mit der Katze um die Wette.

  • Diesen Samstag wird das Stück ab 20 Uhr im Haus der AMV Fridericiana, Lutherstraße 22, letztmals gezeigt.

von Lena Liebau

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