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Ein Leben wird mit Witz entrümpelt

Waggonhalle Ein Leben wird mit Witz entrümpelt

„Alles muss raus!“, beschließt die Ex-Studentin Lilly Thomassen in dem Stück „Verzicht mein nicht“, das die Theatergruppe „Stör und Fried“ am Samstag in der Waggonhalle zeigte.

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Ein Blick zurück: Entschlossen wollten Lilly und ihre Freunde in jungen Revoluzzerjahren die Welt verändern.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. „Zu viel Spinnweben und zu viel Kram, zu viel Altlast in Tupperwaren ...“ Jeder, der in den letzten Monaten das Radio angemacht hat, dürfte den Song von Silbermond über das unnötige Gerümpel im Leben mindestens einmal gehört haben.

Vielleicht hat ihn Lilly Thomassen (gespielt von Anna Daßler), die Hauptfigur im Stück „Verzicht mein nicht – Wie Lilly den Baum der Erkenntnis fällen wollte“ ein paarmal zu oft gehört. Die ehemals angehende Psychologin beschließt: „Alles muss raus!“ Allerdings macht sie keinen Räumungsverkauf, nein, Lilly verschenkt alles was sie hat und rund 45 Gäste sehen dabei amüsiert zu.

Im Lauf der Handlung tauchen immer neue Interessenten auf, die einige der kostenlosen Habseligkeiten mitnehmen möchten – so entfaltet sich die Geschichte. Da wären etwa der sehr von seiner akademischen Existenz eingenommene Professor Egon Zuliewsky (Samir Maudarbocus) oder Norbert Flausch (Tom Wunram), der glaubt, Puppe Nora wäre seine Tochter.

Der Weltverbesserer in den sozialen Medien

Während sie alle zusammen mit Lilly in den Kartons wühlen, erfahren die Zuschauer mehr über Lillys Geschichte und vor allem über ihre durchaus ernsten Probleme, die möglicherweise der Grund für die selbstlose Aktion sind. Vor allem die verstorbene Mutter taucht immer wieder auf, die im Gegensatz zur Tochter tatsächlich Psychologin war. „Mein Innerstes war ihr liebster Spielplatz“, erinnert sich Lilly.

Ein wichtiger Teil ihrer Vergangenheit ist Peter (Malte Kettler), Lillys Ex, früher wie sie selbst überzeugter Revoluzzer, heute kreativer Selbstständiger. „Ich biete vielen, die früher mal für eine gerechtere Welt waren, heute aber selbst reich und bequem geworden sind, meine Dienste als Weltverbesserer in den sozialen Medien an“, bemerkt Peter stolz. „Also Ablasshandel für Alt-68er?“, kontert Lilly trocken. Generell hat die Bühnenheldin mit vielem abgeschlossen. Gründe dafür sind auch weise Männer aus Indien und ihre verschollene Tochter.

Pharmaziestudentin Julia Zacharias spielt selbst Theater. Ihr Eindruck: „Sehr lustig. Ich schaue ja immer mal rein, was in der Waggonhalle so läuft. Das hat mir wirklich gut gefallen.

„Stör und Fried“ ist eine Theatergruppe aus Braunschweig. Die Hauptrolle spielte Anna Daßler vom Theater Gegenstand. Die Idee zu dem Stück entstand 2014 beim Kurzdramenfestival in Marburg.

von Marcus Hergenhan

 
 
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