Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Ein Künstler im Kampf mit zwei Autoritäten

Johannes-Heisig-Ausstellung im Kunstverein Ein Künstler im Kampf mit zwei Autoritäten

Es mussten noch etliche Stühle herbei geschafft werden, so groß war der Andrang am Freitag bei der Eröffnung der Ausstellung im Kunstverein. Rund 200 Kunstfreunde waren gekommen, um die Ausstellung mit Gemälden Heisigs zu sehen.

Voriger Artikel
Komödie über die Wirren der Liebe
Nächster Artikel
Einer gegen den Rest der Welt

Rätselhafte Kunst: Der Maler Johannes Heisig vor einem seiner ­Bilder mit dem Titel „Echo“.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Die Laudatio hielt Linda Reisch, ehemalige Kulturdezernentin in Frankfurt, in Vertretung der erkrankten Eva Demski. Sie zeichnete zunächst den Lebensweg von Johannes Heisig nach. Der Künstler wurde 1953 in Leipzig geboren und verbrachte Kindheit, Jugend und frühes Erwachsenenalter in der ehemaligen DDR. Zeitlebens stand er im Schatten seines Vaters Bernhard Heisig, der in der DDR ein bekannter Maler war. Die Wende empfand Johannes Heisig zunächst als „Sturz in die Bedeutungslosigkeit“, er wurde aber auch im Westen ein erfolgreicher Maler und Porträtist.  

Heisig entstammt einer großen Künstlerfamilie, auch Großvater, Mutter und Bruder waren und sind Künstler. Die Familie war mit der DDR „spannungsreich und dramatisch“ verwoben, wie Linda Reisch ausführte. Vonseiten des Politbüros gab es nach dem Krieg viel Kritik an den Künstlern, Kunst sollte sich ganz in den Dienst der Politik stellen. So verlor Vater Heisig 1964 seine Position als Rektor der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Später, in den 80er Jahren, hatte die Kunst einen etwas weiteren Spielraum. Aber man stand weiter unter Aufsicht und war von Staatsaufträgen abhängig.

Der Vater als übergroßer Schatten

Die Studienzeit von Johannes Heisig fiel schon in die etwas liberalere Zeit in der DDR. Eine Begegnung mit Willy Brandt, den Heisig als unkonventionelle Persönlichkeit wahrnahm, faszinierte den jungen Künstler. Von Brandt hat Heisig gleich sieben eindrucksvolle Porträts geschaffen, auch Egon Bahr, Johannes Rau und Peer Steinbrück hat er gemalt.

Johannes Heisig hat auch an den Kunstwerken seines berühmten Vaters mitgearbeitet. In einer solchen Situation ist es für den Sohn oft schwierig, sich aus dem übergroßen Schatten des Vaters zu lösen. „Heisig hat sich an zwei autoritären Regimes abgearbeitet“, sagte Linda Reisch. „An der DDR und an seinem Vater.“

Die Kämpfe und Brüche im Leben des Künstlers haben ihre Spuren in den Werken. Im Obergeschoss des Kunstvereins sind viele düstere, rätselhafte Bilder zu sehen. Gleich daneben hängen aber auch positiv gestimmte Gemälde, die in kräftigen Farben leuchten und Titel wie „Echo“, „Das Aquarium“ oder „Dialog der Puppen“ tragen. Auch die Porträts im Parterre der Ausstellung sprechen eine ganz eigene Sprache, viele teils ironische Selbstporträts des Malers sind darunter. Eines ist aber in allen Werken Heisigs gemeinsam: Sie sind sehr ausdrucksstark und nicht auf den ersten Blick zu entschlüsseln.

Bei den Besuchern kam die Schau sehr gut an. „Ich finde die Ausstellung sehr beeindruckend“, erklärte Ingeborg Mack aus Braunfels. Auch Kirsten Schwartzkopff, die extra aus Frankfurt angereist war, zeigte sich begeistert: „Ich finde die Ausstellung großartig. In dieser Vollständigkeit gibt es nicht viele Ausstellungen mit den Werken Heisigs zu sehen.“

von Bettina Preussner

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr