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Ein Istanbul-Märchen auf 650 Seiten

OP-Buchtipp: Elif Shafak: „Der Architekt des Sultans“ Ein Istanbul-Märchen auf 650 Seiten

Ein armer junger Ausreißer und sein kluger Elefant, Pracht und Macht, Herrscher und Morde, ein Meister und eine Prinzessin, dazu rätselhafte Ereignisse – das sind Bausteine für einen Istanbul-Roman.

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Die türkische Schriftstellerin Elif Shafak erzählt vom Leben und Treiben in Istanbul im 16. Jahrhundert.

Quelle: Verlag Kein & Aber, Lütscher

Er gilt als einer der größten Architekten aller Zeiten: Der im 16. Jahrhundert in Istanbul lebende Sinan. Unter vier Sultanen errichtete Sinan Bauwerke wie die Süleymaniye-Moschee in Istanbul, dem damaligen Konstantinopel und Hauptstadt des Osmanischen Reiches.

Der neue Roman der türkischen Schriftstellerin Elif Shafak „Der Architekt des Sultans“ lässt vermuten, dass der Meister selbst im Mittelpunkt steht. Doch die Geschichte dreht sich vor allem um seinen Auszubildenden Jahan und dessen klugen Elefanten Chota. Der Originaltitel des auf Englisch geschriebenen Buches „The Architect‘s Apprentice“ (Der Lehrling des Architekten) trifft es genauer.

Jetzt liegt die deutsche Übersetzung der in Istanbul und London lebenden Autorin vor. Elif Shafak hat sich dabei von historischen Ereignissen aus der Blütezeit des Osmanischen Reiches inspirieren lassen, ohne sich genau an Daten und ihre Reihenfolge zu halten.

Das Leben in einer Metropole des 16. Jahrhunderts

„Ich bin eine Geschichtenerzählerin“, schreibt Shafak 2015 in ihrem Vorwort zu einer Neuauflage ihres früheren Romans „Der Bastard von Istanbul“ (2007). „Weder die Menschen in der Mitte noch die Menschen an der Macht, sondern diejenigen, die unterdrückt, mundtot gemacht und vergessen wurden“ interessierten sie, so die Schriftstellerin.

In „Der Architekt des Sultans“ führt die Autorin ihren Lesern das Leben und Treiben in der kosmopolitischen Metropole am Bosporus im 16. Jahrhundert vor Augen. Gleich zu Beginn geschieht ein fünffacher Mord im Palast von Istanbul. Augenzeuge ist der Inder Jahan. Er ist vor seinem bösen Stiefvater, der die Mutter totgeprügelt hat, aus der Heimat geflohen. Jahan nutzte die Gelegenheit fortzukommen, als sein kleiner weißer Elefant Chota vom Schah als Geschenk für den Sultan bestimmt ist und sein geliebter vierbeiniger Gefährte die Schiffsreise nach Istanbul antreten muss.

Dort im Palast wird Jahan nicht nur der anerkannte Mahut, der Elefantenführer, sondern auch einer von vier Lehrlingen des Hofarchitekten Sinan. Wie in einem Märchen kommt die Prinzessin Mihrimah, Tochter des Sultans Süleyman, öfter in die Stallungen zu Jahan und Chota – und Jahan verliebt sich hoffnungslos in die unerreichbare Schöne. Doch welche Rolle spielt sie?

Im Rausch der Fantasie

Elif Shafak erzählt von Palastintrigen, blutigen Kriegen, düsteren Gefängnistagen, Erdbeben, Feuersbrünsten oder Pest. Die Autorin schildert Alltagsszenen am Hafen oder im Bordell und beschreibt die Arbeiten an verschiedenen Bauprojekten. Dabei geschehen unerklärliche Unfälle. Wer steckt dahinter?

Auf knapp 650 Seiten breitet Elif Shafak ein buntes Panorama mit vielen Facetten aus. Manchmal dicht und spannend geschrieben, manchmal erscheint es eher langatmig und schlecht verfugt. Im Rausch der Worte geht gelegentlich auch die Fantasie mit ihr durch, und sie formuliert überspannte Vergleiche.

Doch wer einen Schmöker aus der Zeit schätzt und sich dabei auch auf Hexerei einlassen kann oder sich zu einer Reise nach Istanbul verlocken lassen möchte, um sich auf die Spur des realen Sinan (gest. 1588) und seinen architektonischen Meisterwerken zu begeben, kann dieses „Produkt der Fantasie“ – so die Autorin – lesen.

  • Elif Shafak: „Der Architekt des Sultans“, Verlag Kein & Aber, 647 Seiten, 24,90 Euro.

von Ursula Mommsen-Henneberger

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