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Ein Hindemith-Meisterwerk in der Kreuzkirche

Bauerbacher Musiktage Ein Hindemith-Meisterwerk in der Kreuzkirche

Paul Hindemiths Liederzyklus „Das Marienleben“ nach einem Gedichtzyklus von Rainer Maria Rilke wird selten aufgeführt. In Marburg war es zuletzt 2005 zu hören - aufgeführt von Marion Clausen und Rudolf Zickermann.

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Die Sopranistin Marion Clausen.Foto: Leich

Bauerbach. Jetzt wagte sich die Marburger Sopranistin bei den Bauerbacher Musiktagen gemeinsam mit Bezirkskantor Peter Groß wieder an das äußerst schwer zu singende und zu spielende Meisterwerk der Moderne.

Maria ist Jesu Christi Mutter, dessen Vater ein Erzengel. Maria treib ihren Sohn in die Heilands-Rolle: auf der Hochzeit zu Kana aus Eitelkeit. Das bricht ihr später fast ihr großes Herz, den „Weltinnenraum“. Maria ist also auch zu bedauern, als Frau sowieso: Denn sie hat kein eigenes Leben, ist von Gott fremdbestimmt. Auch so lässt sich Rainer Maria Rilkes „Marienleben“ verstehen und ähnlich deutete es der 27 Jahre junge Komponist Paul Hindemith 1923 in seinem Liederzyklus, aber 1948 als 51-jähriger nach Weltkriegs- und Lebenserfahrung sah er das ein wenig anders.

Clausen und Groß hatten sich für die spätere Hindemith-Fassung op. 27 entschieden und interpretierten sie bravourös und mit spürbarer Freude. Hindemith hat die Verse Rilkes sehr abwechslungsreich vertont: Da gab es barock-echohafte Passagen, dann wieder waren Klänge wie aus 1920er-Jahre-Stummfilmen zu hören, meditative Passagen wechselten ab mit der atemberaubenden musikalischen Darstellung einer Liebesszene zwischen Maria und Erzengel Gabriel. Der „Argwohn Josephs“ kam humoristisch und volksliedhaft daher.

Vom „Tode Mariae“ wirkte beinahe wie eine „Überwältigungsoper“ und die die lange Klavierpassage vor der „Hochzeit von Kana“ erinnerte fast wie eine „Mini-Ouvertüre“: wunderschön. Insgesamt ein herrlicher Hörgenuss - und ein verstehbarer: Denn Peter Groß hatte das eineinhalbstündige Werk umsichtig erläutert.

von Silke Leich

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