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Ein Flüchtling im Familienchaos

OP-Vorpremiere Ein Flüchtling im Familienchaos

Wie umgehen mit den Menschen, die nach Sicherheit und Frieden suchen? Am besten unverkrampft macht die Komödie „Willkommen bei den Hartmanns“ deutlich.

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Die Familie Hartmann: Elyas M‘Barek als Tarek (von links), Eric Kabongo als Diallo, Marinus Hohmann als Basti, Ulrike Kriener als Heike, Palina Rojinski als Sophie, Heiner Lauterbach als Richard, Florian David Fitz als Philipp und Senta Berger als Angelika. Foto: Warner Bros. Ent.

Quelle: Warner Bros. Ent.

Marburg. Spätsommer 2015 in München: Am Hauptbahnhof drängen sich Hunderttausende Flüchtlinge. Sie kommen mit Zügen aus dem Süden und freuen sich über ihre Ankunft im sicheren Deutschland. Die Münchner empfangen die Scharen mit Wasser, Proviant und Herzlichkeit. Doch die eigentliche Herausforderung steht erst bevor: Wie können diese vielen Menschen in den deutschen Alltag integriert werden? „Männerherzen“-Regisseur Simon Verhoeven hat diese Frage aufgegriffen und einen Film darüber gedreht. „Willkommen bei den Hartmanns“ ist eine vergnügliche Komödie über eine Familie, die einen Flüchtling bei sich Zuhause aufnimmt, im ganz normalen Familien-Wahnsinn – prominent besetzt mit Senta Berger, Heiner Lauterbach, Elyas M‘Barek, Palina Rojinski und Florian David Fitz.

Wenn sich die Hartmanns nach langer Diskussion „ihren“ Flüchtling aussuchen, geht es zu wie beim Casting: Deutschland sucht den Superflüchtling. Nett soll er sein, zuverlässig, hilfsbereit und vor allem keine Großfamilie, die im wohlgeordneten Haushalt für Chaos sorgt. Die Wahl fällt auf den Nigerianer Diallo, verschmitzt und liebenswürdig gespielt von Eric Kabongo. Eine gute Entscheidung, wie sich bald herausstellt. Denn Diallo beruhigt nicht nur das schlechte Gewissen von Angelika Hartmann (Senta Berger), endlich auch in der Flüchtlingshilfe aktiv zu sein. Mit seiner freundlichen, lebensklugen Art versucht er, das Familienleben zusammenzuhalten. Denn Probleme haben sie allesamt.

Seltsame deutsche Bräuche

Die pensionierte Lehrerin Angelika weiß nicht, wohin mit ihrer Fürsorge, seit die Kinder ausgezogen sind. Ihr Mann Richard fühlt sich wie 20 und lässt sich von dem Schönheitschirurgen Sascha (Uwe Ochsenknecht) die Falten wegspritzen. Sohn Philip (Florian David Fitz) jettet beruflich um die Welt und merkt nicht, wie sehr sein kleiner Sohn darunter leidet. Und Tochter Sophie (Rojinski) steckt in einer Sinnkrise, weil sie mit 31 nicht weiß, was sie beruflich machen will.

In diesem Chaos versucht Diallo, sich einzurichten, sich nützlich zu machen und nach den schrecklichen Erlebnissen in seiner Heimat Frieden zu finden. Die Gebräuche der Deutschen findet er seltsam, etwa dass Sophie in ihrem Alter keine Kinder hat oder dass sie und Philip es wagen, ihrem Vater Richard zu widersprechen. Diallo will die Studentin mit dem Klinikarzt Tarek Berger (M‘Barek) verkuppeln. Der organisiert einen Lauftreff mit Flüchtlingen, hat allerdings bei Sophies Vater keine guten Karten.

Verhoeven nimmt die Befindlichkeiten der Familie und ihrer Umgebung aufs Schönste aufs Korn. „Willkommen bei den Hartmanns“ ist eine unterhaltsame Gesellschaftssatire mit wunderbaren Dialogen und treffenden Seitenhieben. Etwa auf wohlmeinende Menschen, die die Flüchtlinge am liebsten rund um die Uhr bemuttern würden und ihnen keine Selbstständigkeit zutrauen. Auch die „besorgten“ Pegida-Bürger werden durch den Kakao gezogen, wie sie mit Stammtischparolen und ihrer „Ja, aber...“-Mentalität den Rechten den Boden bereiten.

Der Film schert sich nicht um politische Korrektheit sondern regt mit dem grandios spielenden Schauspielerensemble vielmehr dazu an, sich dem politisch heiß diskutierten Thema Flüchtlinge unverkrampft und ohne Vorurteile zu nähern.

von Cordula Dieckmann

OP-Filmtest

Willkommen bei den Hartmanns erhielt von den Besuchern der OP-Schnupper-Premiere im Cineplex das Prädikat:

sehenswert mit der Note 3,28 (Bestnote ist 4,0).

Zuschauermeinungen:

„Der Film war sehr unterhaltend. Eine gute Mischung aus wichtigen aktuellen Themen und Humor!“

Dorina Shehi (32) aus Marburg

„Super Film mit tollen Darstellern und sehr realitätsnah. Er spiegelt die heutige Problematik mit Humor, aber auch Seriösität wieder.“

Daniel Schneider (20) aus Marburg

„Sehr, sehr unterhaltsam! Auf lustige Weise sehr gesellschaftskritisch.“

Friederike Könitz (37) aus Marburg

„Sowas von Deutsch!“

Moni Dörr aus Cölbe „Sehr guter Film. Bringt die momentane Lebenssituation in Deutschland sehr nah. Wenn alle Nationen aufeinander ein Stück weit zugehen, kann Großes gelingen.“

Markus Jesberg (53) aus Rauschenberg

„Ein Film zum Schmunzeln und Weinen.“

Petra Stormanns aus Marburg

„Lustig, witzig, bedient alle Klischees. Aber auch nachdenklich.“

Sigrid Kaiser aus Marburg

„Tip Top!“

Ali Kijabani (29) aus Marburg „Tolle Schauspieler. Tiefsinnige Handlung.“

Dirk Seifert aus Marburg

Die Gewinner: Je zwei Freikarten gehen an: Sonja Stöcker, Juliane Scheffel, Regine Gillmann, Albert Bos und Monika Henkel. Die Karten werden zugeschickt. Die OP-Hitparade: 1. Mahana - eine Maori-Saga (3,56) 2. SMS für Dich (3,49) 3. Ostfriesisch für Anfänger (3,36) 4. Willkommen bei den Hartmanns (3,28) 5. Ben Hur (3,27) 6. Die Unfassbaren 2 (3,24) 7. Meine Zeit mit Cézanne (3,20) 8. Bad Moms (3,19)

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