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Ein Feuerwerk an Virtuosität

Abschluss der Semana Latina: Pirai Vaca Ein Feuerwerk an Virtuosität

Mit seinem gefühlvollen und virtuosen Spiel zog der bolivianische Star­gitarrist Pirai Vaca am Samstagabend das Publikum in der Waggonhalle zwei Stunden lang in ­seinen Bann.

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Pirai Vaca, Stargitarrist aus Bolivien, spielte in der Waggonhalle und begeisterte das Publikum.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Vor Konzertbeginn zogen die Veranstalter Marion Breu, Jean Kleeb, Heyson Vargas Flores und Knut Kramer vor den 110 Zuhörern in der Waggonhalle ein positives Resümee.

Die zehnte Semana Latina habe viel Zuspruch erfahren. Sogar der Botschafter Boliviens war zu Besuch. „Wir bemühen uns, mit den verschiedenen Veranstaltungen ein ganz unterschiedliches Publikum zu erreichen“, betonte Kleeb – vom Kinderfest über Filme, Theater, Diskussionen bis zur Musik. Und auch die fiel sehr unterschiedlich aus.

„Es begann mit einem großen Steeldrum-Orchester und hört auf mit einem Mann allein auf der Bühne“, sagte er. Dieser Mann, Pirai Vaca aus Bolivien, ist in Südamerika ein Star und hat bei seinen weltweiten Tourneen international Anerkennung erworben.

Entsprechend gespannt war das Publikum und zunächst einmal überrascht, als Vaca es in sehr gutem Deutsch begrüßte und seine Stücke erläuterte. Er hat einige Jahre in Wuppertal gewohnt und 1998 bis 2001 bei Hubert Käppel an der Musikhochschule Köln studiert. Natürlich werde er Musik aus Bolivien und Südamerika spielen, zunächst aber einige Werke spanischer Komponisten vom Ende des 19. Jahrhunderts.

Bescheiden und doch selbstbewusst

Zum Auftakt erklang das ruhige, gefühlvolle „Rumores de la Caleta“ (Geräusche aus der Bucht) von Isaac Albéniz, gefolgt von der romantischen, teils rhythmischen „Spanischen Serenade“ Joaquin Malats, die Vaca mit geschlossenen Augen, ganz versunken in die Musik vortrug.

Die Hingabe des bescheiden und sympathisch, doch durchaus selbstbewusst auftretenden Künstlers an die Musik übertrug sich schnell auf das Publikum, dass nach jedem Stück stärker applaudierte und schließlich auch Begeisterungsrufe in den Beifall mischte. Den eine geradezu meditative Atmosphäre erzeugenden Stücken hörte es konzentriert zu.

Sehr eindringlich wirkte der „Spanische Tanz Nr. 5“ von Enrique Granados, bei dem Vaca jeden Ton auskostete, den Zauber jedes wunderbaren Akkords wirken ließ, bevor er die nächste Sequenz anschlug.

In seine Heimat versetzte ­Vaca die Besucher unter anderem mit „Guadalquivir“ von seinem Landsmann Gilberto Rojas, der den Fluss und das 2500 Meter hoch gelegene Tal Boliviens mit Zitaten aus Volksliedern beschreibt und dabei verschiedene traditionelle Blas- und Schlaginstrumente erklingen lässt, die Vaca virtuos auf der Gitarre nachahmte.

Mit „Feria“ von Alfredo Dominguez Romero führte er seine Zuhörer in die „mythische, aber auch gefährliche“ Welt der bis zu 5000 Meter hohen bolivianischen Anden, wobei in dynamischen Akkorden das Bedrohliche dramatisch zum Ausdruck kam.

Im Schlussstück des Spaniers Francisco Tárrega, Variationen über die Jota, einen Tanz aus Aragon, entfaltete Vaca nochmals ein Feuerwerk an Virtuosität und Musikalität, sodass das begeisterte Publikum gar nicht anders konnte, als enthusiastisch applaudierend Zugabe zu fordern. Die bekam es in Form von Fuoco, dem dritten Satz aus Roland Dyens Libra Sonatine und Bate-Coxa, einem Stück des Brasilianers Marco Pereira.

von Manfred Schubert

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