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Ein Fest für Augen und Ohren

Stadttheater Gießen: „Linda di Chamounix“ Ein Fest für Augen und Ohren

Ein schönes Bühnenbild, mitreißende Musik, tolle Stimmen – Hans Walter Richter hat Gaetano ­Donizettis Oper „Linda di Chamounix“ mitreißend inszeniert. Die Premiere war ein Erlebnis.

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Die Inszenierung am Stadttheater Gießen besticht auch mit einer betörenden, naturalistischen Optik. In dieser Szene ist der Kinderchor des Stadttheaters zu sehen.

Quelle: Rolf K. Wegst

Gießen. Es geht um Liebe, es geht um Enttäuschung und um Wahnsinn. Donizettis Oper in drei Akten mit einem Libretto von Gaetano Rossi macht die ganz großen Gefühle zum Thema. Und Regisseur Hans Walter Richter lässt ihnen freien Lauf und verzichtet auf psychologisierendes Abstrahieren.

Im Gegenteil: Bernhard Niechotz hat ein weitgehend naturalistisches Bühnenbild gestaltet, das ein beachtliches Maß an Intimität vermittelt. Mit einem maßvoll historisierenden Ansatz gelingt es Niechotz, dem Besucher die Eintrittsschwelle zur Welt von Donizettis Oper, die im italienischen Original mit deutschen Übertiteln gezeigt wird, bereits rein auf Ebene der Requisite zu ebnen. Phasenweise fühlt es sich an, als sei man als Zuschauer Gast in einer liebevoll eingerichteten Stube, die in ihrer Rustikalität reichlich Heimeligkeit vermittelt.

Das macht richtig Spaß, auch weil Kati Moritz die Stimmungen der Handlung gekonnt mit Lichteffekten illustriert, sodass gerade im ersten Akt immer wieder der Eindruck vom Einbruch bedrohlicher Emotion in die heile Welt entsteht. Hut ab vor diesem Bühnenkonzept, dessen Gegenständlichkeit phasenweise rudimentärer wird und in das sich Niechotzs Kostüme perfekt einschmiegen. Auch hier setzt er auf maßvolle Historisierung, die die Luft des 19. Jahrhunderts atmet. Kurz gesagt, rein auf Ebene der Optik erzählt Richter eine ausdrücklich in dieser Welt verortete Liebesgeschichte, die ihren Reiz gerade durch ihren Realismus entfaltet.

Einfach ansteckend

Und natürlich durch die beachtlichen Fähigkeiten von Solisten und Chören, die sich bei der Premiere bestens disponiert zeigten. Um die Hauptfigur herauszuheben: Die Sopranistin Naroa Intxausti berührt als Linda zutiefst. Längst ist die Sängerin einer der Stars am Stadttheater Gießen. Sie stellte dies in Donizettis Oper mit ihrer feinen und glasklaren Stimme erneut unter Beweis.

Doch auch die anderen Solisten schlugen sich ebenso glänzend wie die Chöre, die unter der bewährten Leitung von Jan Hoffmann und Martin Gärtner wie gewohnt mit stimmlicher Macht Schauer um Schauer über Zuschauerrücken schickten. Natürlich im Verbund mit den Musikern des Philharmonischen Orchesters unter Ziemens Leitung, die Donizettis lebhafte Klänge ohne Fehl und Tadel aus dem Graben sprudeln ließen – Prädikat: im positivsten Wortsinn ansteckend. Das Fazit: Es ist ein Fest für Augen und Ohren, das derzeit im Großen Haus zu erleben ist. Opernfreunde sollten sich diese opulente Inszenierung auf keinem Fall entgehen lassen.

von Stephan Scholz

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