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Ein Dichter betrachtet die kleinen Dinge

Jan Wagner: „Regentonnenvariationen“ Ein Dichter betrachtet die kleinen Dinge

Kurz nach Erhalt des Preises der Leipziger Buchmesse war der Name Jan Wagner in aller Munde. Das erste Mal gewann ein Lyriker den für Belletristik ausgeschriebenen Preis.

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Jan Wagner stellte im Café Vetter seine „Regentonnenvariationen“ vor.

Quelle: Immanuel de Gilde

Marburg. Ein deutliches Zeichen für die Dichtkunst, was Ludwig Legge, Vorsitzender der Reihe „Literatur um 11“, dazu bewog, Jan Wagner ins Café Vetter einzuladen. Und er kam.

Jan Wagner erzählt in seinen kunstvollen Gedichten von den kleinen, alltäglichen Dingen in der Natur, die, wie er betont, schon zu viel gesehen wurden, um aufzufallen und die somit ein unvergleichliches lyrisches Potential besitzen. Sein Gedichtband „Regentonnenvariationen“, für den er den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt, handelt vor allem vom alltäglichen Sehen und Nicht-Sehen. Von Versuchen über die Stechmücke, den Blues der Kentauren oder einem Lamento auf den Yak.

Die Gedichte fließen, jedem Vers wohnt ein anderes Bild inne, welches durch eine Vielzahl von Figuren hervorgerufen wird. Dieser Effekt entsteht, wenn die Gedichte vorgelesen werden, insbesondere wenn der Autor selbst liest.  Mal amüsant, mal zum Nachdenken anregend, mal persönlich. Einzig die etwas in die Jahre gekommenen Lautsprecher und das Mikrophon versetzen der Lesung einen leicht bitteren Beigeschmack.

Dennoch schafft es Jan Wagner den Raum mit seinen Sprachbildern zu füllen. Denn, wie er später sagt, besteht ein gutes Gedicht keineswegs nur aus Bildern einer Thematik, sondern überreizt die Rezipienten mit Eindrücken.

Das Gedicht „im brunnen“ ist eines seiner persönlicheren Werke, in dem die zweite Strophe mit den Worten: „ich war das kind/ im brunnen“ beginnt, und mit dem Vers endet, dass der Protagonist zurückkehrt, „zu den schlagzeilen von denen/ ich eine war“. Man kann nur hoffen, dass Jan Wagner eines Tages nach Marburg zurückkehrt,  um neue Gedichte vorzustellen.

  • Jan Wagner: „Regentonnenvariationen“,  Hanser Verlag Berlin, 112 Seiten, 15, 90 Euro.

von Immanuel de Gilde

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