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Ein Chor mit Klasse und großem Potenzial

Kantorei Marburger Land Ein Chor mit Klasse und großem Potenzial

Der Kantorei Marburger Land unter Bezirkskantorin Christiane Kessler gelang in der Kirche von Oberweimar ein kontrastreiches Konzert: Die Bach-Kantaten Nr. 148 und Nr. 6 umrahmten Wolfgang Fortners "Herr, bleibe bei uns" aus dem Jahr 1945.

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Die Kantorei Marburger Land bot unter der Leitung von Christiane Kessler und begleitet vom Kammerorchester Marburg ein mitreißendes Konzert in der Kirche Oberweimar.Foto: Helmut Rottmann

Oberweimar. Es ist lobenswert, dass die Kantorei Marburger Land ihrem Namen auch dadurch gerecht wird, dass sie immer wieder in unterschiedlichen Kirchen im Umkreis von Marburg auftritt. Dabei scheut sich Dirigentin Christiane Kessler nicht vor schwierigen Klangverhältnissen. Die Akustik der evanglischen Kirche Oberweimar etwa ist staubtrocken: Kaum ist hier ein Ton ausgesungen, ist er auch schon weg.

Zum Auftakt erklang Bachs Kantate 148 „Bringet dem Herrn Ehre seines Namens“. Schon im Eingangschor glänzten die 15 Instrumentalisten des Kammerorchesters Marburg, verstärkt durch exzellente Bläser, und die rund 30 Choristen der Kantorei Marburger Land mit transparentem Klang in den beiden vierstimmigen Fugenentwicklungen, glanzvoll von Karl Reissig auf der Trompete um die fünfte Stimme erweitert.

Der Tenor Hubert Schmid sang mit klarer Stimme, engagiert in Ton und gefühlvoller Ausdeutung das Rezetativ und die Arie, der Marie Verweyen mit bezauberndem Spiel auf der Solovioline Licht und Glanz verlieh.

Kondition und Konzentration

Mezzosopranistin Kira Petry hatte die Alt-Partien übernommen. Sie glänzte mit schlankem Ton in den Höhen und weichem Klang in den tiefen Lagen. Petry sang mit tonaler Leichtigkeit und Farbigkeit die Koloraturen.

Wolfgang Fortner, einst NSDAP-Mitglied, wurde bei der Entnazifizierung als Mitläufer eingestuft. Er unterrichtete unter anderem Heinz Werner Henze, Bernd Alois sowie Heinz Werner Zimmermann.

Seine zweiteilige geistliche Abendmusik wechselt thematisch vom weltlichen Tagesabend zum Lebensabend eines Christen. Der Bass Andreas Czerney sang mit Leidenschaft, mit Herz und Gefühl, zartem Timbre und Wendigkeit die schwierigen Intervallsprünge und rhythmischen Akzentuierungen - letztere kongenial vom Kammerorchester Marburg umgesetzt.

Die Kantorei Marburger Land fühlte sich hörbar wohl in den wechselnden Harmonien, den poyphonen Strukturen, den sich reibenden Akkorden und rhythmischen Staffelungen im Titel-Choral. Mit innerer Sicherheit strahlte der Chor eine erhabene fundamentale Glaubenssicherheit in den Chorälen aus, die sich teils eng an Johann Sebastian Bach Kompositionen orientierten.

Mit Bachs Kantate Nr. 6 „Bleib bei uns, denn es will Abend werden“ stellten Chor, Vokalsolisten und Orchester ihre Wandlungsfähigkeit von der Moderne zurück zum Spätbarock unter Beweis. Hier war das Bitten voller Herzlichkeit und Eindringlichkeit, der Chorklang weich und farbig. Die Überraschung des Abends war die Chorsopranistin Annette Gröning. Sie sang ihre Soloeinlage sicher mit schlanker und glockenheller Stimme. Gröning sollte öfters solistisch aufzutreten.

Die Kantorei Marburger Land unter der Leitung von Christiane Kessler hat Klasse, Kondition und Konzentration über 100 Minuten - und Potenzial. Sie bot ein begeisterndes Konzert mit viel Gänsehautgefühl.

von Helmut Rottmann

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