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Ein Charmeur mit schnellen Fingern

Joja Wendt in der Stadthalle Ein Charmeur mit schnellen Fingern

Joja Wendt kommt gerne nach Marburg. Am Mittwoch war er zum sechsten Mal zu Gast in der Stadt. Seine Begeisterung für Musik und seine irrsinnig schnellen Hände verzaubern seine Fans immer wieder.

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Jazzpianist und Komponist Joja Wendt präsentierte in der Stadthalle mit seiner Band sein Programm „Mit 88 Tasten um die Welt“ . Foto: Florian Gaertner

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. „Marburg hat das musikalischste, gebildetste und distinguierteste Publikum“, stellte Joja Wendt nach dem zweiten Lied des Abends fest. Damit beförderte er die 450 Zuschauer zu seinem Testpublikum, es sei ja meinungsbildend. Denn „wer es in Marburg geschafft hat, der schafft es überall - auch in New York.“ Das Ganze nahm ihm natürlich niemand ab. Als Marburger hört man es trotzdem ganz gerne, wenn die Universitätsstadt mit Venedig als Stadt der Liebenden gleichgesetzt wird. Immerhin haben wir ja auch unser „Klein-Venedig“.

„In 88 Tagen um die Welt - die Reise geht weiter“ hieß die Fortsetzung seines Programmes vor vier Jahren, das ihn zum bekanntesten Pianisten Deutschlands gemacht hat. Dieses Mal ging die musikalische Reise nach Südafrika, Südamerika, in die USA und nach Australien. Joja Wendt schaffte es charmant und unterhaltsam durch den Abend zu führen, gleichzeitig musikalisches Fachwissen zu vermitteln und die Zuhörer dann noch mit seinen atemberaubend schnellen Läufen über die 88 Tasten regelrecht umzuhauen.

Das Publikum durfte auch mitmachen. Mit Schnipsen, Händereiben und Schenkelklopfen wurde atmosphärisch der tropische Regenwald dargestellt. Bei „When The Saints Go Marchin‘ In“ wurde ebenso mitgesungen wie bei einem Indio-Lied, das Wendt live aufnahm und sich rückwärts gespielt als deutsche Nationalhymne entpuppte.

Wendt liebt sein Publikum, das war ganz deutlich. Einige Besucher kannte er sogar mit Namen, wie Elisabeth, die sich einen freien Platz in der ersten Reihe schnappte. Wie ein kleiner Junge freute er sich über jeden langen Applaus und wenn ein Stück richtig gut geklappt hatte. Das ist kaum zu glauben, wenn man bedenkt wie oft Wendt mit seinen beiden Musikern Thomas Biller am Kontrabass und Christoph Buhse am Schlagzeug unterwegs ist.

Seine Hände flitzen und hüpfen auf den Klaviertasten hin und her. So mancher Pianist im Publikum mochte sehnsüchtig denken: ach, wenn Klavier spielen doch nur so einfach wäre. Dank der Klaviatur-Kamera konnte man bis in die letzten Reihen bei jedem Stück seinen Händen zusehen.

Bei vielen Stücken waren die Finger jedoch zu schnell für die Kamera. Ein Wunder, dass er keine Krämpfe in den Händen bekommen hat. Ab und zu musste er sie aber doch mal ausschütteln. So auch nach der zweiten Zugabe „Fiddle Faddle“ von Leroy Anderson, das wie versprochen noch virtuoser und schneller als Rimski-Korsakows „Hummelflug“ klang.

Drei Zugaben applaudierte sich das Marburger Publikum zusammen und überrascht Wendt mit Standing Ovations. „Gute Nacht zusammen, ich freu mich schon aufs nächste Mal“ - mit diesem Resümee ist Joja Wendt garantiert nicht alleine.

von Mareike Bader

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