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Ein Ausflug in die verruchte Club-Welt

Premiere in Waggonhalle Ein Ausflug in die verruchte Club-Welt

Mit „Kit Kat Klub“ hat die Waggonhalle am Freitagabend ihre 23. Produktion auf die Bühne gebracht. Die flotte Show war ein Fest für die Augen - vor allem für die Männer unter den 100 Zuschauern.

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Stilechte Kostüme und Schauspieler, die mit Leidenschaft ihre Rollen spielen. Da braucht es kein schillerndes Bühnenbild. Der Kit Kat Klub feiert eine gelungene Premiere.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Viel nackte Haut gab es zu sehen in dem Stück „Kit Kat Klub“, knallrote Lippen und kurze Röcke, Netzstrümpfe, High Heels, Federn, Corsagen und Tutus. Der Kit Kat Klub ist ein Tanzclub im Deutschland der 30er Jahre. Ein verruchtes Etablissement, das von der Regierung verboten wird, aber tapfer weitermacht, am Rande der Legalität.

Die Geschichte von „Kit Kat Klub“ dreht sich um die Hauptdarstellerin Sally Bowles (Selina Erdel), deren skandalöses Leben im Rückblick erzählt wird. Schon als Kind träumte Sally von einer Karriere als Schauspielerin und vom Auftritt auf der ganz großen Bühne. Sie singt und tanzt zunächst in kleinen Clubs in Chicago. Die bürgerlichen Eltern sind natürlich ganz dagegen: „Ist das Kunst oder Prostitution?“ fragt sich der besorgte Vater.

Aber Sally geht weiter zielstrebig ihren Weg. Nach einem kurzen Intermezzo in Frankreich landet sie schließlich 1929 im Kit Kat Klub in Berlin, einem Club von zweifelhaftem Ruf. Die Mutter darf nicht wissen, dass sie dort halbnackt auf einer Bühne tanzt. In Berlin lernt sie auch Brian kennen, ihre große Liebe, mit dem sie eine heftige Affäre hat. Aber bald werden die politischen Verhältnisse immer schwieriger, der Club wird verboten und der Geliebte muss fliehen. Sally aber bleibt dem Kit Kat Klub treu, auch wenn der schon längst vor der Pleite steht.

Bekannte Melodien

In seiner Inszenierung präsentierte Regisseur Nick Westbrock einen recht gelungenen Mix aus Tanz, Musik und Schauspiel. Das Stück ist auch als Hommage an John Kanders und Fred Ebb gedacht, die das Musical „Cabaret“ geschrieben haben. Viele bekannte Melodien aus dem Musical sorgten am Freitag für Stimmung, die musikalischen Einlagen überzeugten allerdings nicht durchweg. So sang die Hauptdarstellerin den berühmten Ohrwurm „Come to the Cabaret“ zwar mit viel Ausdruck, hatte aber deutlich Probleme in den höheren Tonlagen. Ansonsten spielten und tanzten die fünf Darstellerinnen und Darsteller sehr gekonnt, sicher und selbstbewusst. Das Zusammenspiel klappte perfekt, viele witzige Spielideen wurden effektvoll umgesetzt. Allerdings wirkten die gesprochenen Passagen manchmal als Bremse im Fluss des Stückes, an einigen Stellen hätte man sich noch mehr Schwung und Tempo gewünscht. Die Choreografie von Nick Westbrock und J. Patrick Franke war gut durchdacht und überraschte mit vielen tollen Einfällen.

Insgesamt setzte der Regisseur aber vor allem auf optische Effekte. Die stilechten Kostüme in Schwarz kamen mit viel Glitzer und Glamour daher, mit Schminke und Haargel wurde nicht gespart. Selbst der Conférencier (J. Patrick Franke) trug schimmernde High Heels in allen erdenklichen Formen und Farben. Die Bühne war dagegen eher schlicht gestaltet: schwarz, leer, ein Plüschsofa, ein rotes Telefon, fertig. Am Schluss des unterhaltsamen Abends gab es in der Waggonhalle stürmischen Beifall für die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler.

Das Stück ist an folgenden Abenden jeweils um 20 Uhr zu sehen: 20.08., 21.08., 22.08., 23.08., 24.08., 26.08., 27.08., 28.08., 29.08.

von Bettina Preussner

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