Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 5 ° Regen

Navigation:
Ein Abschied mit Tränen

Science-Slam Ein Abschied mit Tränen

Zum letzten Mal begrüßte Dr. Christine Tretow wie sie das Publikum kennt, mit Hochsteckfrisur, Hornbrille und Laborkittel, fünf Wissenschaftler zur Wissensschlacht im Hessischen Landestheater.

Voriger Artikel
Vier Russinnen heizen in Waggonhalle ein
Nächster Artikel
Kluge Regie, unbequemes Stück

Das Science-Slam-Team mit Abhinav Sahwy (Zweiter von rechts) und Dr. Christine Tretow (vorne, Mitte) freut sich gemeinsam mit den Kandidaten über den gelungenen Abschluss.

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Der Science-Slam, als kleiner Bruder des Poetry-Slams gegründet, hat sich auch in Marburg zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. 2010 hat ihn Dr. Christine Tretow, Vize-Intendantin des Hessischen Landestheaters, nach Marburg gebracht.

Das Format hat sich inzwischen längst etabliert, auch wenn hier und da kleine Änderungen vorgenommen wurden. So fehlt seit der aktuellen Spielzeit das „Brain“, das neben ihrem indischen Assistenten Abhinav Sahwy Tretow zur Seite stand. Und auch bei der Publikumsjury-Bewertung wurde immer mal wieder gefeilt.

Das System, dass die Wertungen von den sechs ausgewählten Jury-Mitgliedern gleichzeitig aufgezeigt werden, wobei die schlechteste sowie die beste Note gestrichen werden, hat sich durchgesetzt. „Das ist eine gute Idee“, rief auch ein Zuschauer aus dem Publikumsraum.

Zum letzten Mal begrüßte Dr. Christine Tretow wie sie das Publikum kennt, mit Hochsteckfrisur, Hornbrille und Laborkittel, fünf Wissenschaftler zur Wissensschlacht im Hessischen Landestheater.

Zur Bildergalerie

Statt dem sonst satirischen Rahmenprogramm gab es bei ihrem letzten Science-Slam am Samstag einen Rückblick auf die vergangenen Jahre. Dr. Christine Tretow hatte sie alle – auf und vor der Bühne. Das Publikum des inzwischen stets ausverkauften Science-Slams zeigt alle Alters- und Bildungsschichten. Wobei gesagt werden muss, dass der Anteil derjenigen, die durch Studium oder Arbeit mit der Philipps-Universität verbunden sind doch überwiegt.

Und auch bei den Wissenschaftlern zeigte sich bei den 14 Science-Slams mit Dr. Christine Tretow als Moderatorin ein sehr breites Spektrum. 66 Wissenschaftler traten in den letzten fünf Jahren in Marburg an, darunter Wirtschaftswissenschaftler, Mathematiker, Biologen, Soziologen, Informatiker und Mediziner. Angeführt wird die Rangliste von den Physikern mit sechs Kandidaten, so Tretow.

Auch vier Historiker zogen in den zurückliegenden Jahren die Marburger Wissensschlacht, um in einem zehnminütigen Vortrag dem Publikum ihr aktuelles Forschungsgebiet näherzubringen und es gleichzeitig zu unterhalten.
Der Historiker Patrick Reinhard trat am Samstag zum zweiten Mal an und berichtete mit allerlei Papyri von der antiken Alltagswirklichkeit. Mit Beispielen wie „Ich konnte dir auf deinen Brief nicht antworten, denn die Mäuse haben ihn gefressen“, sorgte er für viele Lacher. Doch das reichte nicht ganz für den Sieg.

„Wir brauchen mehr Hirn“

Den fuhr mit einem Punkt Abstand der Biologe Dr. Simon McGowan ein, der in die Welt der Bio-Kunststoffe einführte und versuchte mit einem aus Mais hergestellten Brett einen Nagel zu versenken. Daneben zeigte die Neurowissenschaftlerin Franca Piane Lesemann mit ihrem Vortrag „Hirn, wir brauchen mehr Hirn“, wie wichtig lustige Bilder aus dem Internet im sozialen Leben sind.

Der Politikwissenschaftler und Journalist Constantin Alexander hingegen widmete sich der Symbolkraft der Bratwurst und beleuchtete, warum jeder deutsche Politiker in Wahlkampfzeiten in eine solche beißen muss. Donaldist Uwe Lambach musste ob seiner nicht wissenschaftlich anerkannten Disziplin außer Konkurrenz antreten.

Zum Abschluss wurde Dr. Christine Tretow vom Publikum und den Mitarbeitern des Hessischen Landestheaters noch einmal kräftig gefeiert. Als dann der technische Leiter Fred Bielefeldt überraschend auf die Bühne kam und ihr zum Dank einen Strauß Blumen überreichte, kamen der Science-Slam-Moderatorin die Tränen.

Den Science-Slam in der jetzigen Form wird Christine Tretow ans Apollo-Theater nach Siegen mitnehmen, wo er am 17. November zum ersten Mal stattfinden wird. Aber auch in Marburg wird der Science-Slam erhalten bleiben. Wann und wie steht allerdings noch nicht fest.

von Mareike Bader

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr