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Durch Engpässe zum Traumberuf

Der Schlosser beim Hessischen Landestheater Durch Engpässe zum Traumberuf

Christian Zander ist über viele Umwege am Hessischen Landestheater Marburg gelandet. Der gelernte Frisör wurde zum Theaterschlosser. Dort baut er (fast) alles, was aus Metall ist.

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Christian Zander, Schlosser des Hessischen Landestheaters Marburg, mit der von ihm entworfenen Maschine.

Quelle: Selina Boucsein

Marburg. „Wenn ich meine Arbeit im fertigen Bühnenbild sehe, kann ich oft kaum glauben, dass ich das gebaut habe“, sagt Christian Zander, von allen Wolf genannt.

Er ist der einzige Schlosser des Hessischen Landestheaters Marburg, alle Stücke aus Metall in nahezu jedem Bühnenbild stammen also aus seiner Hand. „Am Anfang weiß ich oft nicht, wie ich aus einer reinen Zeichnung eine fertige Konstruktion hinbekommen soll“, erzählt der 57-Jährige. „Die Arbeit beginnt dann im Kopf – es muss viel geplant werden.“

Zander kam 1998 nach Marburg und fing als Aushilfe in der Bühnentechnik am Marburger Theater an. Durch Engpässe half er einige Jahre später erst in der Theaterschlosserei aus und übernahm sie schließlich.
Berufe übte er schon viele aus – er ist gelernter Frisör, arbeitete zeitweise auf dem Bau – doch keine Stelle hielt ihn so lange wie die Anstellung am Theater. Der Erfindungsreichtum reizt ihn am meisten, „man muss oft nach unkonventionellen Lösungen suchen“, berichtet der Schlosser.

„Meine Bühnenbilder müssen schnell auf- und abzubauen sein und trotzdem sicher und stabil sein. Natürlich spielt auch die Optik eine Rolle.“ Nur einmal lief etwas schief: Bei einem Stück über die Arche Noah baute Zander eine riesige Eisscholle, die sich im Kreis drehte, während die Schauspieler darauf spielten. Während einer Probe riss eine Schweißnaht. „Es gab einen furchtbaren Krach, zusammengebrochen ist bis jetzt aber Gott sei Dank noch nichts.“

Maschine nimmt verschiedene Rollen ein

Von der „normalen“ Arbeit in einer Schlosserei unterscheide sich die Arbeit am Theater vor allem dadurch, „dass man nicht weiß, was morgen kommt“. „Man baut keinen Standard – Treppen und Geländer, so was kommt bei mir niemals vor. Ich hab schon Karussells, Rik‑
shas und Brücken gebaut. Für ‚Don Carlos‘ habe ich ein Messer entworfen, das aus dem Ärmel schnellt – einfach die unterschiedlichsten Sachen.“
Seine Werkstatt sieht dementsprechend aus: Dort liegt ein Sammelsurium seiner bisherigen Arbeiten herum. „Wegschmeißen kann ich nichts, ich könnte es irgendwann ja nochmal gebrauchen“, sagt Zander.

Für das aktuelle Stück „Das Geld“ nach einem Roman von Emile Zola hat er innerhalb von einem Monat eine riesige Maschine gebaut. Neben ein paar Stühlen bildet sie das gesamte Bühnenbild. Die Maschine nimmt im Stück verschiedene Rollen ein. Sie ist mal eine Druckmaschine, mal ein Spielautomat. Außerdem dient sie als Projektionsfläche für Bilder und Videos, arbeitet mit Lichteffekten und ist dabei so stabil, dass die Darsteller auf ihr herumklettern können.

„Meistens sind meine Arbeiten nur die Spielfläche für die Darsteller“, meint der Schlosser. Es sei selten, dass eine seiner Arbeiten das Herzstück eines Stückes sei. „Ich bekomme sehr viel Lob für diese Maschine, doch es ist nicht allein mein Ergebnis. Die Beleuchter tragen einen sehr großen Teil bei“, stellt Zander klar.

„Das Geld“ ist am Donnerstag, 5. November, um 19.30 Uhr im Theater am Schwanhof zu sehen. Zudem ist am Landestheater diesen Donnerstag „Blauer Tag“. Man bekommt zwei Karten zum Preis von einer. Karten gibt es über www.theater-marburg.de und an der Abendkasse.

von Selina Boucsein

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