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Duo erinnert an eine fast vergessene Komponistin

Musik von Ella von Schultz-Adaiewsky Duo erinnert an eine fast vergessene Komponistin

Bei einem Konzert im Turnergarten wurde das Leben und Wirken der Komponistin Ella von Schultz-Adaiewsky vorgestellt.

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Die Lübecker Sopranistin Martina Doehring und der in Riga ­geborene Pianist Aivars Kalejs traten im Turnergarten auf.

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Frauen spielen in der Musikgeschichte nur eine geringe Rolle. Dieser Umstand stieß auch Renate Hüsken sauer auf.

Während ihres Musikwissenschaftsstudiums hätten Frauen keine Rolle gespielt, bemängelte sie. Für ihre Dissertation an der Kölner Universität wollte sie explizit über eine Frau forschen und entdeckte die russische Pianistin mit deutsch-baltischen Wurzeln. „Ella von Schultz-Adaiewsky war eine sehr weltoffene Frau, gebildet, musikalisch, großherzig“, fasste Hüsken ihre Faszination über Ella von Schultz-Adaiewsky zusammen.

Bei seinen Recherchen in der Musiksammlung des Marburger Herder-Instituts stieß auch der russische Musikwissenschaftler Dr. Denis Lomtev auf die vergessene Komponistin. Die Lübecker Sopranistin Martina ­Doehring und der lettische Pianist Aivars Kalejs widmeten ihr am Dienstag einen Konzertabend.

Martina Doehring führte durch den Abend und zeichnete dabei Leben und Wirken von Ella von Schultz-Adaiewsky nach. Die Komponistin hat über 200 zum Teil abendfüllende Werke komponiert, war zudem Pianistin, später auch Musikwissenschaftlerin.

Ausgewählte Stücke machten den Werdegang der 1846 in St. Petersburg geborenen Frau zur gefeierten Pianistin und Komponistin deutlich. Drei für sie wichtige Stationen – St. Petersburg, Venedig und Bonn, wo sie 1926 starb – wurden von den Musikern hervorgehoben.

Die vorgestellten Kompositionen reichten von einfachen Liedern über reine Klavierwerke bis hin zur Opernarie. Doehring verglich das Leben und das Schicksal von Ella von Schultz-Adaiewsky mit dem anderer berühmter Komponisten. Wie etwa Wolfgang Amadeus Mozart musste auch sie als „Wunderkind“ zum finanziellen Unterhalt der Familie beitragen.

Sie vertonte etwa Gedichte ihrer Eltern. Dies weise zwar auf der einen Seite auf eine enge Bindung hin, doch Tagebucheinträge über das hohe Arbeitspensum trübten das Bild vom glücklichen Kind aus gutem Hause. Oft habe sie zehn bis zwölf Stunden am Tag Klavierspielen, müssen. Das menschliche Schicksal der Komponistin berühre sie sehr, berichtete Doehring im Gespräch mit der OP.

von Mareike Bader

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