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Düsteres Märchen über die Gier

Marburger Hörtheatrale: „Das kalte Herz“ Düsteres Märchen über die Gier

Mit beeindruckenden Effekten spielte das Ensemble um Leiter Daniel Sempf das märchenhafte Stück „Das kalte Herz“ im Lomonossow-Keller.

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Stefan Gillle (von links), Roman Pertl und Franziska Knetsch spielten „Das kalte Herz“.

Quelle: Isabel Streibig

Marburg. Mit Geschichten wie Dracula oder von Sherlock Holmes wurde die Hörtheatrale bekannt – auch über die Grenzen Marburgs hinaus. Mit „Das kalte Herz“ wird es nun bei den Schauspielern rund um den künstlerischen Leiter Daniel Sempf nach „Rapunzel“ wieder märchenhaft. „Das kalte Herz“, das ursprünglich in die Erzählung „Das Wirtshaus am Spessart“ eingebunden ist, beschäftige ihn schon seit seiner Kindheit, erzählt Sempf im OP-Gespräch. Aber auch das Märchen sorgt für düstere Stimmung im Lomonossow-Keller.

Peter Munk (Roman Pertl) übernimmt nach dem Tod ­seines Vaters die Geschäfte als Köhler – ein Elendleben, wie er empfindet. „Wir haben nichts. Wir sind nichts“, klagt er seiner Mutter (Franziska Knetsch). Er beneidet die hochangesehenen Männer im Wirtshaus, wie den Holzgroßhändler Echeziel (Stefan Gille). Ausweg aus seiner ­Situation sieht er in Magie und macht sich auf die Suche nach dem Waldgeist Schatzhauser. Am Ende gerät er doch in die Hände des bösen Geists Holländermichel, der zum Tausch sein Herz fordert. Aber auch dieser Handel macht den ehemaligen Kohlenmunk-Peter nicht glücklich.

Neu im Bunde der sprechenden Schauspieler ist Roman Pertl, der bleich geschminkt den Kohlen-Peter übernimmt. Ihm zur Seite stehen in verschiedenen Rollen Hörtheatrale-„Urgestein“ Stefan Gille, den meisten als Sherlock-Holmes-Sprecher bekannt, sowie Franziska Knetsch. Daniel Sempf sitzt dieses Mal nicht mit auf der Bühne – ist aber als Erzähler zu hören.

Bei dieser Produktion sorgt er hinter dem Publikum für die akustischen und visuellen Effekte. Mit Stimmen vom Band, die von allen Seiten erklingen und Lichteffekten wird das Publikum in die düstere Märchenwelt gezogen. So gibt es Regen in Surround-Sound und hier und da sorgen auch die drei Schauspieler auf der Bühne für Effekte, wie das Knistern eines Feuers. Natürlich darf Franziska­ Knetsch als Peters große Liebe Lisbeth auch singen.

Ganz so glücklich wie im Märchen geht die Interpretation der Hörtheatrale allerdings nicht aus. Ein Happy End sei für ihn zu unrealistisch, so Sempfs ­Begründung. Denn dieser Urinstinkt, stets mit der eigenen Situation unzufrieden zu sein, sei tief in den Menschen verankert und nicht so einfach wegzunehmen.

  • Weitere Aufführungen sind am Sonntag, 18. Dezember, und am 15. Januar um 19 Uhr im Lomonossow-Keller, Markt 7.

von Mareike Bader

 
 
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