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Düstere Texte und grelle Lichteffekte

Anne-Clark-Konzert Düstere Texte und grelle Lichteffekte

Die britische New-Wave-Ikone begeisterte auf ihrer Abschiedstournee das Publikum im Kulturladen KFZ.

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Die 55-jährige Sängerin Anne Clark trat am Dienstag im Marburger KFZ auf.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. In den 80ern wurde ihre Musik in deutschen Discos rauf und runter gespielt. Nun machte Anne Clark in Marburg Halt, um sich von ihren Fans gebührend zu verabschieden.

Die Luft ist schlecht. Kein Wunder, denn das KFZ ist restlos ausverkauft. Wer von A nach B möchte, muss sich den Weg erst einmal durch ein quasi undurchdringliches Menschendickicht bahnen. Verantwortlich für den Andrang ist das Konzert von Anne Clark. Die englische Musikerin befindet sich derzeit in Deutschland auf ihrer Abschiedstournee.

Klangliche Monotonie wie in Trance

Der Gesang der 55-Jährigen ist gleichmäßig und chansonartig. Nur selten bricht die Engländerin aus der bewussten klanglichen Monotonie aus, wirkt dabei zeitweise wie in Trance. Ebenso geht es ihrem deutschen Begleiter „herrB“, der, mit Keyboard und Computer ausgestattet, für die Instrumentals verantwortlich zeichnet. Dank seiner wirken die Hits der 80er – „Our Darkness“ und „Sleeper in Metropolis“ – frisch und modern zugleich.

Wenige im Musikgeschäft verstehen es wie Clark, mit Elektrobeats und Stimme derart düster daherzukommen. Die Welt erscheint für Clark als finsterer Ort. Nicht umsonst trägt die Abschiedstournee den Titel „Wasted Wonderland“ – zu Deutsch: verschwendetes Wunderland.

Die Düsterkeit wird lediglich durch spektakuläre aber blendende Lichteffekte unterbrochen, die während der Show immer wieder die Dunkelheit im Raum für kurze Zeit durchbrechen. Für einige Zuhörer zu viel des Guten. Sie wenden ihre Augen ab.

Keine Gute-Laune-Texte im Programm

Während der zweistündigen Darbietung huscht Clark lediglich zwei Mal so etwas wie ein Lächeln übers Gesicht. Scheinbar eine Frau, die ihre Musik lebt. Denn Gute-Laune-Texte stehen nicht auf ihrer Visitenkarte. Die Frau aus London widmet sich in poetischer Qualität den dunklen Seiten des Lebens: Enttäuschung, Melancholie, Albträume, Fanatismus. Besonders gegen Religion wendet sie sich, wie sie im Song „Psalm“ eindringlich unter Beweis stellt.

Einen Wermutstropfen gibt es: kein Geplauder aus dem Nähkästchen, kein Resümee der musikalischen Karriere, die mittlerweile drei Jahrzehnte lang andauert. Unbeirrt reißt die Frau mit dem kurzen und blondierten Haar ihr Programm ab. Das wirkt zuweilen äußerst unterkühlt, und auch für ein Interview nach der Show sieht die Sängerin keine Veranlassung.

Eine Zeitreise zurück in die Jugend

„Ich habe mir ein wenig mehr Dialog mit dem Publikum gewünscht. Aber es war trotzdem super“, meint die 52-jährige Besucherin Ute. Das Konzert erinnere an die Tage, als sie in den 80ern in Discotheken zum Tanzen unterwegs war. Dem Altersdurchschnitt der Konzertgänger nach zu urteilen ist das Konzert für viele eine Zeitreise in die eigene Jugend.

Apropos Tanzen. Das passiert an diesem Abend kaum. Fast alle Zuhörer stehen wie angewurzelt da. Das liegt aber wohl auch am fehlenden Platz. Lediglich in einer Ecke des Saals hat sich eine kleine Gruppe den nötigen Freiraum geschaffen, um wilde Tanzeinlagen zu zelebrieren.

von Benjamin Kaiser

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