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Drei Tage im Musikfieber

MaNo-Festival Drei Tage im Musikfieber

Überall in der Stadt gab es von Donnerstag bis Samstag Live-Musik. Das ehrenamtlich organisierte MaNo-Festival sorgte für proppenvolle Räume, super Musik und ein begeistertes Publikum.

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Wie bei „Tzig n‘roots“ am Samstag im TTZ herrschte überall in den Clubs, die sich an MaNo beteiligten, ausgelassene Stimmung.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Während des MaNo vibriert die Stadt. An jeder Ecke ist was los. „Das MaNo hat immer total viel Atmosphäre. Es ist eben ein Festival von Musikern für Musiker. Das merkt man“, fasst Kristin Glißmann den besonderen Charme des Musik-Festivals zusammen, als sie mit geröteten Wangen nach dem Auftritt ihrer Weltmusikgruppe „Tok Tokki“ im Quodlibet steht. Die erfahrene Trommlerin hat mit unterschiedlichen Bands schon mindestens zehn Mal beim MaNo mitgemacht. Während sie sich über den gelungenen Auftritt ihrer Truppe freut, arrangieren hinter ihr schon die nächsten Musiker ihr Equipment auf der Fläche, die für die Bands freigeräumt wurde.

 

Wie im Quodlibet gibt es auch in der kleinen Oberstadtkneipe Schlucke keine erhöhte Bühne. Das Publikum sitzt und steht auf einer Höhe mit der Band einen halben Meter vom Geschehen entfernt. Musikerlebnis hautnah, - zumal wenn die Franzosen „Tzig n’roots“ ihren Gypsy Pop spielen. Als die Band um 23 Uhr auftritt, ist die Schlucke übervoll. Die patente Türsteherin muss hart bleiben: Es passt wirklich keiner mehr rein. Drinnen springt in der kuschligen Nähe der Funke dafür besonders gut über; das Publikum tanzt, klatscht mit und strahlt. „Tzig n’roots“ gelingt es sogar, den straffen Termin-Plan des MaNo zu sprengen: Sie dürfen noch 20 Minuten länger spielen. Alles andere hätte wohl auch zur Publikumsrevolte geführt.

Ähnlich stimmungsvoll wie in der Schlucke ist es eine Stunde vorher im größeren Molly Malone’s bei „[yet]“. Das französische Duo macht sich mit seinem düster-romantischem Charme und forschen Gitarren hervorragend im Gewölbekeller des Irish Pubs. Bei weit mehr als 100 dicht an dicht stehenden Gästen ist allerdings Geschick gefragt, wenn man bis zur Bühne durchkommen will.

Über Musik den europäischen Austausch mit Marburgs Partnerstädten leben - diese Idee ist beim MaNo zentral: Anthony Baril und Lucie Mousse von „[yet]“ erzählen, dass sie aus Poitiers stammen und dort 2011 auf dem MaNo-Partnerfestival „Les Expressifs“ spielten. Im nächsten Jahr ging es weiter zur MaNo-Schwester „Twinfest“ in Northampton und nun sind sie 2013 zum ersten Mal in Marburg. Den slowenischen Alternative-Rockern von „RUN2NONE“ hat eine befreundete Band, welche die letzten Jahre beim MaNo war, vorgeschwärmt: „Ihr müsst euch unbedingt bewerben. Das ist eine Wahnsinns-Erfahrung.“ Recht haben die Freunde behalten: Von der Energie des Festivals ist der „RUN2NONE“-Sänger begeistert.

„Raus aus den Proberäumen, rauf auf die Bühne“ heißt es beim MaNo dieses Jahr auch für 67 Marburger Bands. Für „Angelo & the Angelas“ etwa ist ihr Auftritt im Jugendhaus Compass schon ihr drittes Mal MaNo. Die vier gestandenen Musiker spielen Punk- und Garagesound mit Songs, die Geheimtipps aus den Jahren 1958 bis 1988 waren. Anders klingt dagegen „Die Gesellschaft der grauen Herren“ im Trauma. Hier zeigt sich die Vielfalt des MaNo-Programms, denn die grauen Herren um Sänger Hagen spielen ­Blackened Metal. Was für normale Ohren eher nur Krach und Gebrüll ist, freut die zahlreichen Fans.

Von Kneipe zu Kneipe ziehen, Daniel Kersting beim Finger­style-Gitarrenspiel lauschen oder mit den „Howling Hootin Owls“ zu Bluesrock abtanzen und anschließend mit den Musikergästen aus Poitiers, Maribor, Northampton oder ­Eisenach ins Gespräch kommen - die Mischung macht das MaNo. Michael, 28 Jahre alt und Biobauer, ist extra aus dem 50 Kilometer entfernten Schrecksbach angereist. Sein Fazit: „Ein tolles Engagement aller Beteiligten!“

von Angelika Fey

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