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Drei Stunden maximale Beschallung

Marburg Calling im KFZ Drei Stunden maximale Beschallung

Nach langer Zeit gab es am Samstag im KFZ wieder mal ein Konzert mit heimischen Bands: Auf der Bühne standen drei Gruppen, die sich härteren Genres verschieben haben.

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Das „Idiocracy Project“ (rechts) und „LDMR“ (links) heizten am Samstag gemeinsam mit „Sinew“ den Rock-Fans im KFZ ein.Fotos: Jan Bosch

Marburg. Ein einsamer Headbanger schwingt die Lockenmähne. Marburgs restliche Metal-Front muss sich am Samstag erst mal ein wenig aufwärmen, bevor das große Schubsen und Springen beginnen kann. Marburg ruft mal wieder zur langen Rocknacht der lokalen Helden harter Gitarren in den Kulturladen KFZ.

Zum Warm-up rocken „Idiocracy Project“ den Langhaarigen das nasskalte Wetter aus der Kutte. Die vier Mittelhessen haben sich die Herrschaft der Dummheit zum Ziel gesetzt, vielleicht auch den Kampf dagegen. So richtig deutlich wird das bei den Ansagen von Frontmann Waldemar Klassen nicht. Jedenfalls legen sie mit derben Riffs und hallenden Keyboards ein so gewaltiges Progressive-Brett auf den Tisch, dass die Beine wackeln.

Ohne viele Worte bewegten „LDMR“ den voller werdenden Saal. Eine heiße Mischung verzerrter Akkorde und schwebender Soli bringt die Menge zum Wanken.

Die ausschließlich instrumentale Band aus Marburg erinnert ein wenig an die experimentierfreudigen Motorpsycho. Fast meditativ lassen die Musiker minutenlang atmosphärische Klangwelten durch den Saal schweben, die abrupt vom donnernden Schlagzeug und dem Geschrei der zwei Gitarren unterbrochen werden. Laut und leise, melodiös und krachend, der Sound von „LDMR“ lebt von Gegensätzen und reißt die Fans auch ohne Gesang völlig mit.

Als Headliner lassen sich zu später Stunde „Sinew“ feiern und heizen den Saal noch mal richtig auf.

Nach geradlinigen Anfängen im Hardcorelager von Tool & Konsorten im Jahre 2005 sind die fünf Jungs aus Marburg mittlerweile aus der stilistischen Schublade gestiegen und musizieren sich kreuz und quer durch die moderne Musikgeschichte.

Bei ihnen gelingt die lautstarke Koexistenz von Pop, Alternative, Indie, Metal und Progrock ziemlich gut und löst Begeisterung bei der Fangemeinde aus. Die Mischung der meist schwermütigen Stimme von Sänger Sascha Junker, gepaart mit ausufernd psychedelischen Gitarrensounds und Trommelgewitter ist schlicht mitreißend.

Nach über drei Stunden maximaler Beschallung geht es dann zurück in den Nieselregen. Fast taub, aber gut gewärmt.

von Jan Bosch

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